Kap.  9 Geschichten und Gestalten des Volkes Israel
     Die Sündenfallgeschichte
     Willensfreiheit und Ursünde
     Die Sintflut
     Abrahams Opferbereitschaft
     Das Traumbild Jakobs von der Himmelsleiter
     Josef und seine Brüder
     Die Wüstenwanderung des Volkes Israel unter Mose
     Elia's Kampf für den wahren Gott
     Die zwölf Stämme Israels
     Die Propheten und ersten Könige Israels

Kap. 10 Als die Zeit erfüllt war
     Prophetische Weissagungen
     Die Messiaserwartung im jüdischen Volk
     Maria, die Leibesmutter Jesu
     Die Anbetung des Jesuskindes
     Das Band der Liebe zwischen Jesus und Maria
     Jesu Wissen und Weisheit
     Das Unverständnis der menschlichen Umwelt in Nazareth

Kap. 11 Das Wirken Jesu auf Erden
     Die Taufe im Jordan, Vorbereitungszeit in der Wüste
     Die Einheit Jesu mit Gott
     Die Nichtanerkennung Jesu als den erwarteten Messias
     Jesus als heilbringender Gast im einfachen Volke
     Der unermüdliche Prediger Jesus
     Die Kinder- und Naturliebe Jesu
     Die Lehre Jesu
     "Wunder" Jesu
     Die Ehebrecherin
     Maria Magdalena
     Nikodemus und die Reinkarnationsfrage
     Die Verklärung Jesu
     Mangelnder Bekennermut
     Anfeindungen gegen Jesus
     Abschiedsankündigung
     Jesu Einzug in Jerusalem
     Das letzte Abendmahl

Kap. 12 Leiden, Tod und Auferstehung
     Lebenslange Mühen und Leiden Jesu
     Der Verrat des Judas
     Jesu Passion
     Jesu Erlösungstat in jenseitigen Welten
     Das Erscheinen Jesu nach seiner Auferstehung

Kap. 13 Mission und Bedeutung Jesu und Seiner Jünger
     Die Korrektur des alten Gottesbildes und falscher Traditionen
     Das Vorbild Jesu
     Die Bedeutung der Lehre Jesu
     Berufung, Lehrzeit und Prüfungen der Jünger Jesu
     Der Apostel Johannes
     Die Apostel Petrus und Paulus
     Die Vorbildlichkeit der Apostel
     Die Ausbreitung des Christentums




II RÜCKSCHAU AUF DIE ERSTE UND ZWEITE OFFENBARUNGSZEIT

Kapitel 9 - Geschichten und Gestalten des Volkes Israel

Die Sündenfallgeschichte

1. Die geschichtliche Überlieferung über die ersten Menschen, welche die Erde bewohnten, wurde von Genera­tion zu Generation weitergegeben, bis sie im Buch der "Ersten Zeit" nieder­geschrieben wurde. Es ist ein lebendi­ges Gleichnis jener ersten Menschen­wesen, die auf der Erde lebten. Ihre Lauterkeit und Unschuld ermöglicht ihnen, die Liebkosung der Mutter Na­tur zu fühlen. Zwischen allen Wesen bestand ein freundschaftliches Verhält­nis, und unter allen Geschöpfen eine uneingeschränkte Brüderlichkeit. (105,42)

2. In einem Göttlichen Gleichnis in­spirierte Ich die ersten Menschen, da­mit sie eine erste Kenntnis ihrer Be­stimmung erlangen würden, aber der Sinngehalt meiner Offenbarungen wurde falsch gedeutet.

3. Als zu euch vom Baume des Le­bens gesprochen wurde, von dem der Mensch aß, dem Wissen um Gut und Böse, sollte euch nur begreiflich ge­macht werden, dass der Mensch – als er genügend Erkenntnis besaß, um zwischen Recht und Unrecht zu unter­scheiden und er damit für seine Taten verantwortlich wurde – von da an die Früchte seiner Werke zu ernten be­gann. (150,42)

4. Ihr wisst, dass Gott zu den Men­schen sagte: "Wachset und mehret euch und füllet die Erde". Dies war das an­fängliche Gesetz, das man euch gab, o Volk. Später hat der Vater die Men­schen nicht nur dazu aufgefordert, dass sie sich mehren und dass das Menschengeschlecht weiter wächst, sondern dass ihre Gefühle immer hoch­herziger werden und ihr Geist eine un­behinderte Entfaltung und Entwicklung nimmt. Doch wenn das erste Gesetz die Ausbreitung der menschlichen Rasse zum Ziele hatte – wie könnt ihr da an­nehmen, dass derselbe Vater euch be­strafen würde, weil ihr ein Gebot von Ihm befolgt und erfüllt habt? Ist es möglich, Volk, dass in eurem Gott ein solcher Widerspruch existiert?

5. Seht, welch materielle Auslegung die Menschen einem Gleichnis gaben, in dem zu euch nur vom Erwachen des Geistes im Menschen gesprochen wurde. Ergründet daher meine Unter­weisung und sagt nicht länger, dass ihr die Schuld bezahlt, die die ersten Er­denbewohner durch ihren Ungehorsam gegenüber ihrem Vater auf sich luden. Habt eine höhere Vorstellung von der Göttlichen Gerechtigkeit. (150,45-46)

6. Jetzt ist die Zeit, in der ihr meine Worte: "Wachset und mehret euch" verstehen könnt, dass dies nämlich auch geistig getan werden muss, und dass ihr das Universum mit euren guten Werken und lichtvollen Gedanken erfüllen sollt. Ich heiße alle willkom­men, die Mir näherkommen wollen – alle, die nach Vollkommenheit streben. (150, 48-49)


Willensfreiheit und Ursünde

7. Ihr sagt Mir, dass ihr wegen eurer Willensfreiheit in Fehler und Irrtümer geraten seid. Darauf antworte Ich euch, dass ihr euch durch diese Gabe unend­lich weit über den Punkt hinaus erhe­ben könnt, von dem ihr zu Beginn eurer Entwicklung ausgegangen seid.

8. Außer der Willensfreiheit gab Ich jedem Geist mein Licht in seinem Ge­wissen, damit niemand in die Irre gehe; aber die, die meine Stimme nicht hören wollten, oder im Verlangen nach Geis­tigem Licht nicht in ihr Inneres einkeh­ren wollten, ließen sich bald durch die zahllosen Schönheiten des menschli­chen Lebens verführen, verloren die Stütze meines Gesetzes für ihren Geist und mussten straucheln und fallen.

9. Ein einziges Vergehen zog viele schmerzliche Folgen nach sich, und zwar deshalb, weil die Unvollkom­menheit nicht im Einklang mit der Göttlichen Liebe ist.

10. Jene, welche ergeben und reue­voll sogleich zum Vater zurückkehrten und Ihn sanftmütig baten, dass Er sie reinigen und von den Verfehlungen losspreche, die sie soeben begangen hatten, empfing der Herr mit unendli­cher Liebe und Barmherzigkeit, tröstete ihren Geist, sandte sie aus, um ihre Fehler wiedergutzumachen und bestä­tigte sie in ihrer Aufgabe.

11. Glaubt nicht, dass alle nach ihrem ersten Ungehorsam sanftmütig und reuevoll zurückkehrten. Nein, viele kamen voll Hochmut und Groll. An­dere wollten schamerfüllt, in Erkennt­nis ihrer Schuld, ihre Vergehen vor Mir rechtfertigen, und ferne davon, sich durch Reue und Besserung zu läutern – welche Beweis von Demut sind – ent­schieden sie sich, für sich selbst ein Leben nach ihrer Weise zu schaffen, außerhalb der Gesetze, die meine Liebe vorschreibt.

12. Daraufhin trat meine Gerechtig­keit in Kraft – aber nicht, um sie zu strafen, sondern um sie zu bessern – nicht, um sie zu vernichten, sondern um sie ewig zu erhalten, indem sie ihnen eine umfassende Gelegenheit bot, sich zu vervollkommnen.

13. Wie vielen jener ersten Sünder gelingt es noch immer nicht, sich von ihren Flecken zu befreien; denn von einem Sturz zum anderen fielen sie immer tiefer hinab in den Abgrund, aus dem sie allein die Ausübung meines Gesetzes wird retten können. (20, 40-46)


Die Sintflut

14. In den ersten Zeiten der Mensch­heit herrschte Unschuld und Einfach­heit unter den Menschen; aber in dem Maße, in dem sie an Zahl zunahmen, wurden aufgrund ihrer Entwicklung und ihrer Willensfreiheit auch ihre Sünden zahlreicher und entfalteten sich immer schneller – nicht so ihre Tugen­den, sondern ihre Verstöße gegenüber meinem Gesetz.

15. Da bereitete Ich Noah vor, dem Ich Mich von Geist zu Geist kundtat, denn diese Zwiesprache habe Ich vom Beginn der Menschheit an mit den Menschen aufgenommen.

16. Ich sagte Noah: "Ich werde den Geist der Menschen von all ihren Sün­den reinigen; zu diesem Zweck werde Ich eine große Sintflut senden. Baue eine Arche und lasse deine Kinder, deren Frauen, die Kinder deiner Kinder und ein Paar von jeder Tierart in sie einsteigen."

17. Noah war meinem Gebot gehor­sam, und die Katastrophe kam in Er­füllung meines Wortes. Der schlechte Same wurde mit der Wurzel ausgeris­sen, und der gute Same in meinen Kornkammern aufbewahrt, aus dem Ich eine neue Menschheit schuf, die das Licht meiner Gerechtigkeit in sich trug und mein Gesetz zu erfüllen und in der Einhaltung guter Sitten zu leben verstand.

18. Meint ihr etwa, dass jene Men­schen, die einen so leidvollen Tod fanden, körperlich und geistig umka­men? Wahrlich, Ich sage euch: nein, meine Kinder. Ihre Geister wurden durch Mich erhalten und erwachten vor dem Richter ihres eigenen Gewissens und wurden vorbereitet, um erneut auf den Weg des Lebens zurückzukehren, damit sie auf ihm geistigen Fortschritt erlangten. (302, 14 - 16)


Abrahams Opferbereitschaft

19. Nicht immer wird es nötig sein, dass ihr den Leidenskelch bis zur Neige leert. Denn es genügt Mir, euren Glauben, euren Gehorsam, euren Vor­satz und eure Absicht zu sehen, meinen Auftrag zu befolgen, dass Ich euch den schwersten Augenblick eurer Prüfung erspare.

20. Erinnert euch, dass von Abraham das Leben seines Sohnes Isaak gefordert wurde, den er sehr liebte und den der Patriarch unter Überwindung seines Schmerzes und der Liebe zu seinem Sohne in einer Prüfung des Gehorsams, des Glaubens, der Liebe und Demut, die ihr noch nicht begreifen könnt, zu op­fern im Begriffe war. Doch es wurde ihm nicht erlaubt, das Opfer an dem Sohne zu Ende zu bringen, weil er auf dem Grunde seines Herzens bereits seinen Gehorsam gegenüber dem Gött­lichen Willen bewiesen hatte, und dies genügte. Wie groß war der innere Jubel Abrahams, als seine Hand durch eine höhere Macht aufgehalten wurde und ihn an der Opferung Isaaks hinderte! Wie segnete er den Namen seines Herrn und bewunderte seine Weisheit! (308, 11)

21. In Abraham und seinem Sohne Isaak gab Ich euch ein Gleichnis dafür, was der Opfertod des Erlösers bedeuten würde, als Ich die Liebe, die Abraham Mir entgegenbrachte, auf die Probe stellte, indem Ich ihn dazu aufforderte, seinen Sohn, seinen heißgeliebten Isaak zu opfern.

22. Bei rechter Betrachtung werdet ihr in jenem Akt eine Ähnlichkeit zu dem erkennen, was später die Opferung des "Eingeborenen Sohnes"¨ Gottes um der Rettung der Welt willen be­deutete.

23. Abraham war hier die Verkörpe­rung Gottes, und Isaak das Abbild Jesu. In jenem Augenblick dachte der Patri­arch, dass der Herr deshalb das Leben seines Sohnes von ihm forderte, damit das Blut des Unschuldigen die Sünden des Volkes abwaschen würde, und obwohl er den, der Fleisch von seinem Fleische war, zutiefst liebte, war der Gehorsam in ihm gegenüber Gott, sowie das Erbarmen und die Liebe zu seinem Volke schwerwiegender für ihn als das Leben seines geliebten Sohnes.

24. Der gehorsame Abraham war nahe daran, den tödlichen Stoß gegen seinen Sohn auszuführen. In dem Au­genblick, da er von Schmerz überwäl­tigt den Arm erhob, um ihn zu opfern, hielt ihn meine Macht zurück und ge­bot ihm, ein Lamm statt seines Sohnes zu opfern, damit jenes Symbol als Zeugnis von Liebe und Gehorsam be­stehen bliebe. (119, 18 - 19)


Das Traumbild Jakobs von der Himmelsleiter

25. Wisst ihr, welche Bedeutung jene Leiter hat, die Jakob im Traume sah? Jene Leiter versinnbildlicht das Leben und die Entwicklung der Geistwesen.

26. Der Körper Jakobs schlief zum Zeitpunkt der Offenbarung, aber sein Geist war wach. Er hatte sich mittels des Gebetes zum Vater erhoben, und als sein Geist in die Regionen des Lichtes gelangte, empfing ihn eine himmlische Botschaft, die als ein Tes­tament geistiger Offenbarungen und Wahrheiten für sein Volk erhalten bleiben sollte, welches die ganze Menschheit ist; denn "Israel" ist kein irdischer, sondern ein geistiger Name.

27. Jakob sah, dass jene Leiter auf der Erde stand und ihre Spitze den Himmel berührte. Dies zeigt den Weg der geistigen Aufwärtsentwicklung an, welcher auf Erden mit dem Fleisches­körper beginnt und der endet, wenn der Geist sein Licht und seine Essenz mit der seines Vaters vereint, fern jedes materiellen Einflusses.

28. Der Patriarch sah, dass auf jener Leiter Engel auf- und niederstiegen. Dies versinnbildlichte das unaufhörli­che Geborenwerden und Sterben, das ständige Kommen und Gehen der Geistwesen im Verlangen nach Licht oder auch mit der Aufgabe, zu sühnen und sich zu läutern, um bei der Rück­kehr zur Geistigen Welt sich ein wenig höher zu erheben. Es ist der Weg der geistigen Entwicklung, der zur Ver­vollkommnung führt.

29. Deshalb sah Jakob an der Spitze der Leiter die sinnbildliche Gestalt Jehovas, welche anzeigte, dass Gott das Ziel eurer Vervollkommnung, eures Strebens und die höchste Belohnung von unendlichen Seligkeiten ist – als Lohn für schwere Kämpfe, lange Lei­den und die Beharrlichkeit, zum Schoße des Vaters zu gelangen.

30. Immer fand der Geist in den Schicksalsschlägen und Prüfungen eine Gelegenheit, Verdienste zu erwerben, um aufzusteigen. Dabei wurde in jeder Prüfung immer die Leiter Jakobs ver­sinnbildlicht, die euch aufforderte, eine weitere Sprosse zu erklimmen.

31. Dies war eine große Offenbarung, o Jünger, denn in ihr wurde zu euch in einer Zeit vom Geistigen Leben ge­sprochen, in der das Erwachen des Geistes zur Verehrung des Göttlichen, des Hohen, Reinen, Guten und Wahren kaum begonnen hatte.

32. Jene Botschaft konnte nicht nur für eine Familie bestimmt sein, nicht einmal für ein einziges Volk; ihre Es­senz war geistig und hatte daher uni­verselle Bedeutung. Eben darum sprach die Stimme des Vaters zu Jakob: "Ich bin Jehova, der Gott Abrahams und der Gott Isaaks. Das Land, in dem du dich befindest, werde Ich dir und deinem Samen geben, und dieser Same wird zahlreich wie der Staub der Erde sein. Ihr werdet euch nach Westen und nach Osten, nach Norden und nach Süden ausbreiten, und alle Geschlechter der Erde werden in dir und deinem Samen gesegnet werden." (315, 45-50)


Josef und seine Brüder

33. Josef, Sohn des Jakob, war von sei­nen eigenen Brüdern an einige Händler verkauft worden, die auf dem Wege nach Ägypten waren. Josef war noch klein und hatte doch schon Be­weise einer großen Gabe der Prophetie gegeben. Der Neid bemächtigte sich seiner Brüder, die sich seiner entledig­ten in der Meinung, ihn nicht mehr wiederzusehen. Doch der Herr, der über seinem Diener wachte, beschützte ihn und machte ihn groß beim Pharao von Ägypten.

34. Viele Jahre danach, als die Welt von Dürre und Hunger geplagt wurde, hatte Ägypten, geleitet von den Ratschlägen und Inspirationen Josefs, genügend Vorräte angelegt, um der Heimsuchung standzuhalten.

35. Da geschah es, dass die Söhne Jakobs auf der Suche nach Lebensmit­teln nach Ägypten kamen. Groß war ihre Bestürzung, als sie erkannten, dass ihr Bruder Josef zu einem Minister und Berater des Pharao geworden war. Als sie ihn sahen, fielen sie zu seinen Fü­ßen auf ihre Knie nieder, voll Reue über ihre Verfehlung, und sie erkann­ten, dass die Prophezeiungen ihres Bruders in Erfüllung gegangen waren. Jener, den sie für tot hielten, war hier vor ihnen voller Macht, Tugend und Weisheit. Der Prophet, den sie verkauft hatten, bewies ihnen die Wahrheit der Prophetie, die der Herr ihm schon als Kind auf die Lippen gelegt hatte. Der Bruder, den sie gequält und verkauft hatten, vergab ihnen. Verstehst du, Volk? Jetzt wisst ihr, weshalb Ich euch an diesem Tage gesagt habe: Wann werdet ihr Mich erkennen, wie Josef von seinen Brüdern erkannt wurde ? (90,2)


Die Wüstenwanderung des Volkes Israel unter Mose

36. In der "Ersten Zeit" stand Mose an der Spitze Israels, um es während vierzig Jahren durch die Wüste ins Land Kanaan zu führen. Aber aus Un­gehorsam, Unglauben und Materialis­mus lästerten die einen, andere wurden abtrünnig, und wieder andere lehnten sich auf. Doch Mose sprach zu ihnen in dieser Situation mit Klugheit und Ge­duld, damit sie nicht den Höchsten Willen verletzten, sondern demütig und folgsam wären gegenüber jenem Vater, der - ohne auf ihren Ungehorsam zu schauen - das Manna vom Himmel fallen und Wasser aus dem Felsen quellen ließ. (343,53)

37. Mose hatte genügend Beweise geliefert, dass der wahre Gott mit ihm war; doch das Volk wollte noch mehr Zeugnisse, und als der Sendbote die Menschenmengen bis zum Fuße des Berges Sinai gebracht hatte, rief er die Macht Jehovas an, und der Herr ehrte ihn und gewährte ihm große Beweise und Wunder.

38. Das Volk wollte Jenen hören und sehen, den Mose durch seinen Glauben hörte und schaute, und so offenbarte Ich Mich dem Volk in der Wolke und ließ es meine Stimme stundenlang hören. Doch sie war so gewaltig, dass die Menschen vor Furcht zu sterben glaubten; ihre Körper zitterten, und ihre Geister schauderten bei jener Stimme der Gerechtigkeit. Da flehte das Volk Mose an, er solle Jehova bitten, nicht mehr zu seinem Volke zu sprechen, weil sie Ihn nicht mehr anhö­ren konnten. Es erkannte, dass es noch viel zu unreif war, um mit dem Ewigen direkt in Verbindung treten zu können. (29,32 + 34)

39. Stärkt euren Geist in den großen Schlachten des Lebens, wie jenes Volk Israel in der Wüste stark wurde. Wisst ihr, wie weit die Wüste ist, die kein Ende zu haben scheint, mit einer un­barmherzigen Sonne und glühendem Sand? Wisst ihr, was Einsamkeit und Stille und die Notwendigkeit nächtli­chen Wachens ist, weil die Feinde auflauern? Wahrlich, Ich sage euch, dort in der Wüste war es, wo jenes Volk die Größe erfasste, welche darin bestand, an Gott zu glauben, und wo es lernte, Ihn zu lieben. Was konnte jenes Volk schon von der Wüste erwarten? Und dennoch hatte es alles: Brot, Was­ser, ein Heim zum Ausruhen, eine Oase und ein Heiligtum, um seinen Geist in Dankbarkeit zu seinem Vater und Schöpfer zu erheben. (107,28)


Elia's Kampf für den wahren Gott

40. In der "Ersten Zeit" kam Elia zur Erde, nahte sich den Herzen der Men­schen und fand sie dem Heidentum und Götzentum verfallen. Die Welt wurde von Königen und Priestern regiert, und beide hatten sich von der Erfüllung der Göttlichen Gesetze abgewandt und führten ihre Völker auf Wege der Ver­irrung und Unwahrheit. Sie hatten verschiedenen Göttern Altäre errichtet, und verehrten sie.

41. Elia trat in jener Zeit auf und sprach zu ihnen mit Worten voller Gerechtigkeit: "Öffnet eure Augen und erkennt, dass ihr das Gesetz des Herrn entweiht habt. Ihr habt das Vorbild seiner Boten vergessen und seid Kulten verfallen, die des lebendigen und mächtigen Gottes unwürdig sind. Es ist notwendig, dass ihr erwacht, auf Ihn schaut und Ihn anerkennt. Beseitigt euren Götzendienst und erhebt eure Augen über jedes Bildnis, mit dem ihr Ihn dargestellt habt."

42. Elia hörte meine Stimme. die ihm sagte: "Entferne dich von diesem bösen Volke. Sage ihm, dass für lange Zeit kein Regen mehr fallen wird, bis du es in meinem Namen befiehlst."

43. Und Elia sprach: "Es wird nicht mehr regnen, bis mein Herr die Stunde anzeigt und meine Stimme es befiehlt", und indem er dies sagte, entfernte er sich.

44. Von jenem Tage an war die Erde trocken, die für den Regen bestimmten Jahreszeiten verstrichen, ohne dass dieser sich einstellte. Am Himmel sah man keine Anzeichen für Regen, die Felder fühlten die Dürre, das Vieh verschmachtete nach und nach, die Menschen gruben in der Erde nach Wasser, um ihren Durst zu löschen, ohne es zu finden; die Flüsse vertrock­neten, das Gras verwelkte, weil es den Strahlen einer sengenden Sonne erlag, und die Menschen riefen ihre Götter an und baten sie, dass jenes Element zu ihnen zurückkehre, um zu säen und Samen zu ernten, der sie ernähren würde.

45. Elia hatte sich auf Göttliches Ge­bot hin zurückgezogen, betete und harrte des Willens seines Herrn. Die Männer und Frauen begannen aus ihrer Heimat fortzuziehen auf der Suche nach neuen Ländern, wo sie kein Was­ser entbehren würden. Überall sah man Karawanen, und an allen Orten war die Erde ausgedörrt.

46. Die Jahre vergingen, und eines Tages, als Elia seinen Geist zum Vater erhob, hörte er seine Stimme, die ihm sagte: "Suche den König auf, und wenn Ich dir das Zeichen gebe, wird der Regen wieder auf dies Land herabfal­len."

47. Elia, demütig und voll Gehorsam, ging hin zum Kö­nig jenes Volkes und zeigte vor den Anbetern des falschen Gottes seine Macht. Danach sprach er vom Vater und von dessen Macht, und da erschienen die Zeichen: Blitze, Don­ner und Feuer gewahrte man am Him­mel; daraufhin fiel der lebenspendende Regen in Strömen herab. Von neuem bekleideten sich die Felder mit Grün, die Bäume waren voller Früchte, und es gab Wohlstand.

48. Das Volk erwachte angesichts dieses Beweises und erinnerte sich sei­nes Vaters, welcher es durch Elia auf­rief und ermahnte. Zahlreich und sehr groß waren zu jener Zeit die Wunder­taten Elias, um die Menschheit wachzu­rütteln. (53, 34 - 40)


Die zwölf Stämme Israels

49. Glaubt nicht, dass es nur im Schoße des Volkes Israel Propheten, Wegbe­reiter und Lichtgeister gab. Auch in andere Völker habe Ich einige von ih­nen gesandt; doch die Menschen ver­standen sie als Götter und nicht als Boten und schufen um ihre Lehren Religionen und Kulte.

50. Das Volk Israel begriff die Mis­sion nicht, die es gegenüber anderen Völkern hatte und schlummerte auf einem Lager voller Segnungen und Annehmlichkei­ten.

51. Der Vater hatte es als eine voll­kommene Familie geformt, in der ein Stamm die Aufgabe hatte, das Volk zu verteidigen und den Frieden zu erhal­ten; ein anderer bearbeitete das Land, ein weiterer Stamm bestand aus Fi­schern und Seeleuten. Einem anderen wurde die geistige Verehrung Gottes anver­traut, und so erfüllte jeder der zwölf Stämme, aus denen das Volk bestand, eine andere Aufgabe, die zu­sammen ein Beispiel von Harmonie gaben. Doch wahrlich, Ich sage euch, die geistigen Fähigkeiten, die ihr in jenen früheren Zeiten besaßet, habt ihr noch immer. (135,15 - 16)


Die Propheten und ersten Könige Israels

52. Die Propheten sprachen mit gro­ßer Wahrhaftigkeit, fast immer kamen sie zur Erde in Zeiten der Verwirrung und Verirrung. Sie warnten die Völker und forderten sie zur Reue und zur Umkehr auf, wobei sie große Heimsu­chungen der Gerechtigkeit ankündig­ten, wenn sie sich nicht dem Guten zuwandten. Bei anderen Gelegenheiten sagten sie Seg­nungen voraus für die Befolgung und den Gehorsam gegen­über dem Göttli­chen Gesetz.

53. Doch was jene Propheten spra­chen war eine Ermahnung zur Aus­übung des Guten, der Gerechtigkeit und der ge­genseitigen Achtung. Sie offenbarten nicht das Leben des Geis­tes, seine Be­stimmung und seine Ent­wicklung. Nicht einmal Mose, den Ich erwählte, um ihn zu meinem Stellver­treter zu machen und durch dessen Vermittlung Ich das Ge­setz für alle Zeiten übergab, sprach zu euch vom Geistigen Leben.

54. Das Gesetz des Vaters enthält Weisheit und Gerechtigkeit. Es lehrt den Menschen, in Frieden zu leben, sich untereinander zu lieben und zu respek­tieren und sich als Menschen in meinen Augen als würdig zu erweisen. Aber Mose zeigte der Menschheit nicht, was es jenseits der Schwelle des körperli­chen Todes gibt, noch wie die Wieder­gutmachung der ungehorsamen Geistwesen beschaffen ist, oder die Belohnung für die in ihrer Lebensauf­gabe Klugen und Fleißigen.

55. Später regierte David, erfüllt von Geistesgaben und Inspirationen, und in seinen Augenblicken der Erhebung, in seinen Verzückungen, vernahm er Hymnen und geistige Lieder, aus denen er die Psalmen schuf. Mit ihnen sollte er das Volk Israel dazu einladen, zu beten und seinem Herrn die beste Op­fergabe seines Herzens zu schenken. Doch Da­vid konnte mit all seiner Liebe und Inspiration dem Volke nicht die wun­derbare Existenz der Geistwesen, ihre Ent­wicklung und ihr Ziel offenba­ren.

  56. Und Salomon, der ihm in der Herr­schaft nachfolgte und gleichfalls die großen Gaben der Weisheit und Macht bewies, die ihm verliehen wor­den wa­ren, um derentwillen er geliebt und bewundert wurde, und dessen Ratschlä­gen, Urteilen und Sprichwör­tern noch heute gedacht wird - wenn sein Volk sich an ihn gewandt und ihn gefragt hätte: "Herr, wie ist das Geis­tige Leben beschaffen? Was gibt es jenseits des Todes? Was ist der Geist?" - Salomon in all seiner Weisheit hätte darauf nicht antworten können. (339, 12 – 15)

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¨ Dieser biblische Ausdruck bedeutet: der in die Welt hineingeborene (oder inkar­nierte) Sohn Gottes
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Kapitel 10 - Als die Zeit erfüllt war

Prophetische Weissagungen

1. Euer Vater bereitete alles vor, da­mit "Das Wort" Gottes unter den Men­schen wohne und ihnen an den erhabe­nen Beispielen seiner Liebe den Weg ihrer Wiedergutmachung zeige.

2. Zuerst inspirierte Er die Propheten, die die Form anzukündigen hatten, in welcher der Messias zur Welt kommen würde, welcher Art sein Werk, seine Leiden und sein Tod als Mensch sein würde, damit, wenn Christus auf der Erde erschiene, derjenige, der die Pro­phetien kannte, Ihn augenblicklich erkennen würde.

3. Jahrhunderte vor meiner Gegen­wart in Jesus sagte der Prophet Jesaia: "Darum wird der Herr euch dies Zei­chen geben: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, den wird man nennen Ima­nuel". (Was bedeutet: Gott mit uns). Mit dieser Weissagung unter anderen kündigte er mein Kommen an.

4. David besang viele Jahrhunderte vor meiner Ankunft in Psalmen voller Schmerz und prophetischem Sinn die Leiden des Messias während der Kreu­zigung. In jenen Psalmen spricht er von einem meiner sieben Worte am Kreuz, zeigt die Verachtung an, mit der die Menschenmenge Mich zur Kreuzigung führen würde, die Ausdrücke des Spottes der Menschen, wenn sie Mich sagen hören, dass in Mir der Vater ist; die Verlassenheit, die mein Körper angesichts der menschlichen Undank­barkeit fühlen würde, alle Marter, de­nen ich unterworfen werden würde, und sogar die Art, in der sie über mein Gewand das Los werfen würden.

5. Jeder meiner Propheten kündigte mein Kommen an, bereitete die Wege und gab genaue Merkmale, damit, wenn der Tag kommen würde, nie­mand sich irrte. (40, 1-5)

Die Messiaserwartung im jüdischen Volk

6. Die Welt war in der gegenwärtigen Zeit nicht bereit, Mich so zu erwarten, wie Mich das Volk Israel in jener "Zweiten Zeit" erwartete. Meine gro­ßen Propheten hatten einen Messias angekündigt, einen Heiland, den Sohn Gottes, welcher kommen würde, um die Unterdrückten zu befreien und die Welt durch das Licht des "Wortes" zu erleuchten. Je mehr jenes Volk litt, desto mehr sehnte es das Kommen des Verheißenen herbei; je mehr es vom Kelch der Erniedrigung und der Unter­drückung trank, desto mehr sehnte es sich nach der Gegenwart des Messias, und überall suchte es nach Hinweisen und Zeichen, die zu ihm von der Nähe der Ankunft ihres Erlösers sprechen würden.

7. Von Generation zu Generation und von Eltern auf Kinder wurde die Gött­liche Verheißung weitergegeben, die das auserwählte Volk des Herrn lange Zeit hindurch zum Wachen und Beten veranlasste

8. Endlich kam Ich zu meinen Volke, aber nicht alle vermochten Mich zu erkennen, obwohl Mich alle erwarte­ten: die einen taten es in vergeistigter Weise und die anderen in einer materi­alistischen Auslegung.

9. Aber Mir genügte die Lauterkeit und die Liebe derer, die meine Gegen­wart fühlten und im Lichte meines Wortes das Himmelreich erblickten, und an meine Kundgebung glaubten. Mir genügten jene, die Mir getreulich nachfolgten und in Mir ihren geistigen Erlöser sahen, denn sie waren es, die meine Wahrheit bezeugten, nachdem Ich von dieser Welt geschieden war.

10. Obwohl meine Botschaft für alle Völker der Erde bestimmt war, ging mein Ruf an das Herz des Auserwähl­ten Volkes, damit es hernach zum Sprachrohr meines Wortes würde. Dennoch - nicht nur jenes Volk fühlte meine Gegenwart, auch in anderen Nationen vermochten die Menschen die Zeichen meiner Ankunft zu entde­cken und erahnten die Zeit meiner Gegenwart auf Erden. (315, 17 - 19)

11. In jedem Zeitalter und bei jeder Göttlichen Offenbarung erscheint Elia bei den Menschen.

12. Noch war der Messias nicht zur Erde gekommen, nicht mehr lange, so würde er als Mensch geboren werden, und schon war der Geist des Propheten in Johannes inkarniert, welcher später der Täufer genannt wurde, um die Nähe des Himmelreiches anzukündi­gen, welches die Gegenwart des "Wortes" unter den Menschen sein würde. (31, 61-62)

Maria, die Leibesmutter Jesu

13. Schon in der "Ersten Zeit" be­gannen die Patriarchen und Propheten von der Ankunft des Messias zu spre­chen. Doch der Messias kam nicht nur im Geiste - er kam, um aus einer Frau geboren zu werden, um Mensch zu werden, um von einer Frau einen Kör­per zu erhalten.

14. Der mütterliche Geist Gottes musste gleichfalls Mensch werden, zur Frau werden, als eine Blume der Rein­heit, damit ihrer Blütenkrone der Duft des "Wortes" Gottes entströme, wel­ches Jesus war. (360,26)

15. In Nazareth lebte eine Blume der Reinheit und Zärtlichkeit, eine verlobte Jungfrau mit Namen Maria, welche gerade die vom Propheten Jesaia An­gekündigte war, weil aus ihrem Schoße die Frucht des wahren Lebens hervor­gehen sollte.

16. Zu ihr kam der Geistige Bote des Herrn, um ihr die Mission zu verkün­den, die sie zur Erde mitgebracht hatte, indem er sprach: "Sei gegrüßt, du Hochbegnadete, der Herr ist mit dir, du bist gesegnet unter den Frauen."

17. Die Stunde, da das Göttliche Ge­heimnis offenbart werden sollte, war gekommen, und alles, was über die Gegenwart des Messias, des Heilands, des Erlösers gesagt worden war, sollte nun unmittelbar in Erfüllung gehen. Aber wie wenige Herzen waren es, die meine Gegenwart fühlten, wie wenige Geistwesen, die vorbereitet waren, um im Lichte meiner Wahrheit das Him­melreich zu erkennen. (40,6-7)

Die Anbetung des Jesuskindes

18. Die Menschheit gedenkt heutzu­tage jenes Tages, an dem einige Weise aus dem Morgenland zur Krippe von Bethlehem kamen, um das Göttliche Kind anzubeten. Heute fragen Mich ei­nige Herzen: "Herr, ist es wahr, dass jene mächtigen und weisen Herren sich vor Dir verneigten und Deine Göttlich­keit anerkannten?"

19. Ja, meine Kinder, es war die Wis­senschaft, die Macht und der Reichtum, die vor meiner Gegenwart niederknie­ten.

20. Auch waren dort die Hirten, ihre Frauen und ihre Kinder mit ihren be­scheidenen, gesunden und schlichten Gaben, mit denen sie den Erlöser der Welt empfingen und begrüßten, und auch Maria, als Verkörperung himmli­scher Zärtlichkeit. Sie repräsentierten die Demut, die Unschuld, die Schlicht­heit. Doch jene, die in ihren Perga­mentrollen die Prophetien und Verhei­ßungen besaßen, die vom Messias sprachen, schliefen tief, ohne auch nur zu ahnen, wer zur Welt gekommen war. (146,9 - 11)

 

Das Band der Liebe zwischen Jesus und Maria

21. Jesus verbrachte Seine Kindheit und Jugend an der Seite Marias, und auf ihrem Schoße und an ihrer Seite genoss er mütterliche Liebe. Die zur Frau gewordene Göttliche Zärtlichkeit versüßte dem Heiland die ersten Jahre seines Lebens auf der Welt, da Er, als die Stunde gekommen war, so große Bitternis trinken musste.

22. Wie ist es möglich, dass jemand meinen kann, dass es Maria, in deren Schoße sich der Körper Jesu bildete und an deren Seite der Meister lebte, an geistiger Erhebung, an Reinheit und Heiligkeit hätte mangeln können?

23. Wer Mich liebt, muss zuvor all das Meine lieben - alles, was Ich liebe. (39,52-54)

Jesu Wissen und Weisheit

24. Die Menschen behaupten in ihren Büchern, dass Jesus bei den Essenern gewesen sei, um sein Wissen zu erlan­gen. Doch Jener, der alles wusste, und lebte, bevor die Welten entstanden, hatte nichts von den Menschen zu ler­nen. Das Göttliche konnte nichts vom Menschlichen lernen. Wo immer Ich Mich aufhielt, geschah es, um zu leh­ren. Kann es auf Erden jemanden ge­ben, der weiser ist als Gott? Christus kam vom Vater, um den Menschen die Göttliche Weisheit zu bringen. Gab euch euer Meister nicht einen Beweis dafür, als er mit zwölf Jahren Theolo­gen, Philosophen und Gesetzeslehrer jener Zeit in höchstes Staunen ver­setzte?

25. Manche haben Jesus die Schwachheiten aller Menschen zuge­schrieben und ergötzen sich daran, Jenen Menschen, der göttlich und ohne Fehl ist, mit dem Schmutz zu bewer­fen, den sie in ihren Herzen tragen. Diese kennen Mich nicht.

26. Wenn alle Wunder der Natur, die ihr betrachtet, nichts anderes als die materielle Verkörperung Göttlicher Ge­danken sind - meint ihr dann nicht, dass der Körper Christi die Materiali­sation eines erhabenen Gedankens der Liebe eures Vaters war? Daher liebte euch Christus nur mit dem Geiste, nicht mit dem Fleische. Meine Wahrheit wird niemals verfälscht werden kön­nen, weil sie ein absolutes Licht und eine unumschränkte Macht in sich birgt. (146,35 - 36)

27. Ich gab euch in der "Zweiten Zeit" ein Beispiel dafür, wie ihr die rechte Stunde abwarten müsst, um die Aufgabe zu erfüllen, die euch zur Erde brachte.

28. Ich wartete, bis mein Körper - jener Jesus, den die Menschen vor Augen hatten - sein bestes Alter er­reicht haben würde, um durch ihn die Göttliche Mission zu erfüllen, euch die Liebe zu lehren.

29. Als jener Körper - das Herz und der Verstand - seine volle Entfaltung erlangt hatte, sprach mein Geist durch seine Lippen, meine Weisheit durch­flutete seinen Verstand, meine Liebe ließ sich in seinem Herzen nieder, und die Harmonie zwischen jenem Körper und dem Göttlichen Licht, das ihn erleuchtete, war so vollkommen, dass Ich oft zu den Menschenscharen sprach: "Wer den Sohn kennt, kennt den Vater."

30. Christus machte Gebrauch von der Wahrheit in Gott, um die Menschen zu lehren. Er bezog sie nicht von der Welt. Weder von den Griechen, Chal­däern, Essenern oder Phöniziern, noch von sonst jemandem bezog er das Licht. Sie kannten den Weg zum Him­melreich noch nicht, und Ich lehrte das, was auf Erden noch unbekannt war.

31. Jesus hatte seine Kindheit und Jugend der tätigen Nächstenliebe und dem Gebet gewidmet, bis die Stunde kam, um das Himmelreich, das Gesetz der Liebe und der Gerechtigkeit, die Lehre des Lichtes und des Lebens zu verkünden.

32. Sucht den Sinngehalt meines in jener Zeit verkündeten Wortes und sagt Mir, ob er aus irgendeiner menschli­chen Lehre oder irgendeiner damals bekannten Wissenschaft stammen konnte.

33. Ich sage euch, wenn Ich wirklich die Gelehrsamkeit jener Menschen in Anspruch genommen hätte, dann hätte Ich meine Jünger unter ihnen gesucht und nicht unter den ungebildeten und unwissenden Menschen, aus denen Ich Meine Apostelschar bildete. (169,62 -68)

Das Unverständnis der menschlichen Umwelt in Nazareth

34. Ich musste den Schoß eines Vol­kes wie Ägypten aufsuchen, da das Volk, zu dem Ich gekommen war, Mir keine schützende Herberge zu geben vermochte. Aber dies war nicht der einzige Schmerz, den mein Herz er­leiden musste.

35. Als Ich aus Ägypten zurück­kehrte, und dann in Nazareth lebte, wurde Ich fortwährend verspottet und durch Äußerungen von Unglauben und Missgunst verletzt.

36. Ich tat dort Wunder, bezeigte meine Nächstenliebe und meine Macht – und wurde verkannt. Nicht einer von denen, die mein Leben und meine Werke aus der Nähe kannten, glaubte an Mich.

37. Als daher die Stunde des Predi­gens gekommen war, musste Ich beim Verlassen Nazareths sagen: "Wahrlich, Ich sage euch, kein Prophet findet Glauben in seinem Vaterland. Er muss es verlassen, damit sein Wort Gehör findet." (299, 70 - 72)



Kapitel 11 - Das Wirken Jesu auf Erden

Die Taufe im Jordan, Vorberei­tungszeit in der Wüste

1. Jesus, der liebevolle und demütige Nazarener, der auf die Stunde gewartet hatte, in der das Göttliche Wort aus seinem Munde kommen würde, suchte Johannes an den Ufern des Jordan auf, um das Wasser der Taufe zu empfan­gen. Ging Jesus im Verlangen nach Reinigung hin? Nein, mein Volk. Ging er etwa, um einen Ritus zu vollziehen?: Auch nicht. Jesus wusste, dass die Stunde gekommen war, in der er selbst aufhörte zu sein, in der der Mensch verschwand, um den Geist sprechen zu lassen, und er wollte jene Stunde durch eine Handlung kennzeichnen, die sich in das Gedächtnis der Menschen ein­prägen würde.

2. Das symbolische Wasser hatte keinerlei Makel abzuwaschen, wohl aber machte es jenen Körper - als Bei­spiel für die Menschheit - frei von jeder Bindung an die Welt, um zu ermögli­chen, dass er willensmäßig mit dem Geiste eins werden würde. Dies ge­schah, als jene, die zugegen waren, eine Göttliche Stimme vernahmen, die mit Menschenworten sprach: "Dies ist mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe. Hört auf ihn."

3. Von jenem Augenblick an wurde das Wort Gottes zum Worte des ewi­gen Lebens auf den Lippen Jesu, weil sich Christus in der Fülle durch Ihn kundgab. Die Menschen nannten ihn Rabbi, Meister, Sendbote, Messias und Sohn Gottes. (308,25-27)

4. Danach zog Ich mich in die Wüste zurück, um zu meditieren und euch zu lehren, in Zwiesprache mit dem Schöp­fer zu treten, und um in der Stille der Wüste das Werk zu betrachten, das Mich erwartete, und euch damit zu lehren, dass ihr euch zuvor läutern müsst, bevor ihr an die Erfüllung des Werkes geht, das Ich euch anvertraut habe. Sucht danach in der Stille eures Wesens die direkte Zwiesprache mit eurem Vater, und so vorbereitet - lau­ter, gestärkt und entschlossen - macht euch unbeirrbar an die Erfüllung eurer schwierigen Mission. (113,9)


Die Einheit Jesu mit Gott

5. Drei Jahre lang sprach Ich zur Welt durch Jesu Mund, ohne dass eines meiner Worte oder einer meiner Ge­danken von jenem Verstande entstellt wurde, ohne dass eine seiner Handlun­gen nicht mit meinem Willen überein­gestimmt hätte. Der Grund dafür war, dass Jesus und Christus, Mensch und Geist eins waren, so wie Christus mit dem Vater eins ist. (308,28)

6. Erkennt in Mir den Vater; denn wahrlich, Ich sage euch, Christus ist mit dem Vater eins von Ewigkeit her, noch bevor die Welten waren.

7. In der "Zweiten Zeit" wurde dieser Christus, der mit Gott eins ist, auf Er­den Mensch in dem gesegneten Körper Jesu und wurde so der Sohn Gottes, doch nur hinsichtlich seines Menschseins. Denn Ich sage euch noch einmal, dass nur ein einziger Gott exis­tiert. (9,48)

8. Als Ich Mensch wurde in Jesus geschah es nicht, um euch begreiflich zu machen, dass Gott menschliche Gestalt hat, sondern um Mich sichtbar und hörbar zu machen für die, welche für alles Göttliche blind und taub wa­ren.

9. Wahrlich, Ich sage euch, wenn der Körper Jesu die Gestalt Jehovas gewe­sen wäre, so hätte er weder geblutet noch wäre er gestorben. Es war ein vollkommener Körper, jedoch menschlich und empfindlich, damit die Menschen ihn sehen und die Stimme ihres Himmlischen Vaters durch ihn hören würden. (3,82)

10. Zwei Naturen gab es in Jesus: eine materielle, menschliche, durch meinen Willen im jungfräulichen Schoße Marias geschaffen, welche Ich den Menschensohn nannte, und die andere, göttliche, der Geist, welcher Sohn Gottes genannt wurde. In dieser war das "Göttliche Wort" des Vaters, das in Jesus sprach; die andere war nur materiell und sichtbar. (21,29)

11. Christus, das "Wort" Gottes war es, das durch den Mund Jesu, des rei­nen und lauteren Menschen sprach.

12. Der Mensch Jesus wurde gebo­ren, lebte und starb; doch was Christus anbelangt: Er wurde nicht geboren, noch wuchs Er in der Welt auf, noch starb Er, denn Er ist die Stimme der Liebe, der Geist der Liebe, das Göttli­che Wort, der Ausdruck der Weisheit des Schöpfers, welcher immerdar im Vater gewesen ist. (91,28-29)


Die Nichtanerkennung Jesu als den erwarteten Messias

13. Nicht von allen wurde Ich in der "Zweiten Zeit" anerkannt. Als Ich im Schoße des jüdischen Volkes erschien, das Mich bereits erwartete, weil es die von den Propheten gegebenen Vorzei­chen erfüllt sah, brachte meine Gegen­wart viele in Verwirrung, die die Pro­pheten nicht richtig auszulegen ver­standen und ihren Messias als einen mächtigen Fürsten zu sehen erwarteten, der seine Feinde niederwerfen würde, der die Könige, die Unterdrücker de­mütigen und denen, die ihn erwarteten, Besitztümer und irdische Güter gewäh­ren würde.

14. Als jenes Volk Jesus sah - arm und ohne Beinkleid, sein Körper nur mit einem einfachen Gewand bedeckt; in einem Stall geboren und später als einfacher Handwerker arbeitend, konnte es nicht glauben, dass er der vom Vater Gesandte sei, der Verhei­ßene. Der Meister musste sichtbare Wunder und Werke vollbringen, damit sie ihm glaubten und seine Göttliche Botschaft verstünden. (227,12-13)

15. Immer sind es die Demütigen und die Armen gewesen, die meine Ge­genwart entdecken, weil ihr Verstan­desvermögen nicht mit menschlichen Theorien beschäftigt ist, die ihr klares Urteilsvermögen trüben.

16. In der "Zweiten Zeit" geschah es gleichfalls, dass- obwohl das Kommen des Messias angekündigt war- nur die Menschen von schlichtem Gemüt, von demütigem Geist und unbelastetem Verstand ihn gefühlsmäßig erkannten, als er kam.

17. Die Theologen hatten in ihren Händen das Buch der Propheten, und täglich wiederholten sie die Worte, die die Zeichen, die Zeit und die Art des Kommens des Messias ankündigten, und dennoch- sie sahen Mich und er­kannten Mich nicht, sie hörten Mir zu und leugneten, dass Ich der verheißene Heiland sei. Sie sahen meine Werke, doch das einzige, was sie zu tun wuss­ten, war, sich über sie zu empören, obwohl sie in Wahrheit alle geweissagt worden waren. (150, 21 - 23)

18. Heute zweifelt man nicht mehr an Jesus, aber viele erörtern und leugnen sogar meine Göttlichkeit. Die einen gestehen Mir große geistige Erhebung zu; andere behaupten, dass auch Ich den Entwicklungsweg des Geistes durchlaufe, um zum Vater gelangen zu können. Doch wenn es so wäre, hätte Ich euch nicht gesagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben". (170,7)


Jesus als heilbringender Gast im einfachen Volke

19. Eure Aufgabe ist es, dem Vorbild eures Göttlichen Meisters auf seinem Erdenwege nachzuleben. Erinnert euch: Wann immer Ich Mich in den Heimen zeigte, ließ Ich in allen eine Botschaft des Friedens zurück, heilte Ich die Kranken, tröstete die Betrübten mit der Göttlichen Vollmacht, welche die Liebe besitzt.

20. Niemals unterließ Ich es, in ein Haus einzutreten, weil man Mir darin nicht glauben würde; Ich wusste, dass beim Verlassen dieses Ortes die Herzen seiner Bewohner voll überquellender Freude sein würden, denn ohne es zu wissen hatte ihr Geist durch meine Unterweisung in das Himmelreich geschaut.

21. Zuweilen suchte Ich die Herzen auf, manchmal suchten sie Mich; doch in allen Fällen war meine Liebe das Brot des ewigen Lebens, das Ich ihnen im Sinngehalt meines Wortes gab. (28, 3-5)


Der unermüdliche Prediger Jesus

22. Bei einigen Gelegenheiten, bei denen Ich Mich in die Einsamkeit ir­gendeines Tales zurückzog, blieb Ich nur für Augenblicke allein, weil die Menschenmengen, begierig, Mich zu hören, sich ihrem Meister im Verlan­gen nach der unendlichen Güte Seines Blickes näherten. Ich empfing sie und überströmte jene Männer, Frauen und Kinder mit der Zärtlichkeit meiner unbegrenzten Barmherzigkeit, weil Ich wusste, dass es in jedem Geschöpf einen Geist gibt, um dessentwillen Ich zur Welt gekommen war. Dann sprach ich zu ihnen vom Himmelreich, wel­ches die wahre Heimat des Geistes ist, damit sie ihre innere Unruhe durch mein Wort besänftigen und sich an der Hoffnung stärken würden, das Ewige Leben zu erlangen.

23. Es kam vor, dass es unter der Menge verborgen jemanden gab, der die Absicht hatte, meine Wahrheit schreiend zu leugnen und zu versi­chern, dass Ich ein falscher Prophet sei; aber mein Wort kam ihm zuvor, bevor er noch Zeit gehabt hatte, seine Lippen zu öffnen. Bei anderen Anlässen ließ Ich zu, dass irgendein Lästerer Mich schmähte, um vor der Menschenmenge zu beweisen, dass der Meister ange­sichts der Beleidigungen nicht unwillig wurde, womit Ich ihnen ein Beispiel von Demut und Liebe gab.

24. Es gab einige, die - von meiner Sanftmut beschämt - sich sogleich entfernten und bereuten, mit ihren Zweifeln Den verletzt zu haben, wel­cher mit seinen Werken die Wahrheit verkündete. Sobald sich die Gelegen­heit bot, kamen sie zu Mir, folgten Mir auf den Wegen nach - weinend, gerührt von meinem Worte, ohne auch nur zu wagen, Mich anzusprechen, um Mich für die Beleidigungen, die sie Mir zu­vor zugefügt hatten, um Vergebung zu bitten. Ich rief sie herbei, liebkoste sie mit meinem Worte und gewährte ihnen irgendeine Gnade. (28,6-7)

25. Höret: Als Ich bei euch auf Erden war, kamen die Menschen in Scharen zu Mir - Menschen in hohen Stellun­gen, voller Eitelkeit, Regierende, die Mich heimlich aufsuchten, um Mich zu hören. Die einen bewunderten Mich, aber aus Furchtsamkeit bekannten sie es nicht offen; andere lehnten Mich ab.

26. Es kamen Menschenscharen zu Mir, die aus Männern, Frauen und Kindern bestanden und Mir am Mor­gen, am Nachmittag und in der Nacht zuhörten, und immer fanden sie den Meister bereit, ihnen das Wort Gottes zu geben. Sie sahen, dass der Meister sich selbst vergaß, und konnten sich nicht erklären, zu welcher Stunde er Nahrung zu sich nahm, damit sein Körper nicht schwach und seine Stimme nicht matt würde. Der Grund war, dass sie nicht wussten, dass Jesus aus seinem eigenen Geiste Kräfte er­hielt und in sich selbst Nahrung fand. (241,23)


Die Kinder- und Naturliebe Jesu

27. Gelegentlich, wenn Ich einmal allein war, wurde Ich von Kindern entdeckt, die zu Mir kamen, um Mir kleine Blumen entgegenzustrecken, Mir irgendeinen kleinen Kummer zu erzählen und Mich zu küssen.

28. Die Mütter waren ängstlich be­sorgt, wenn sie ihre Kleinen in meinen Armen fanden, wie sie meinen Worten lauschten. Die Jünger, die meinten, dass dies einen Mangel an Respekt gegenüber dem Meister bedeute, ver­suchten, sie aus meiner Nähe zu ver­treiben. Da musste Ich ihnen sagen: "Lasset die Kinder zu Mir kommen; denn um ins Himmelreich zu gelangen, müsst ihr die Reinheit, die Einfachheit und Einfalt von Kindern haben."

29. Ich freute Mich über jene Un­schuld und Unbefangenheit, so wie jemand vom Anblick einer Blüten­knospe erfreut wird, die sich gerade öffnet. (262,62-64)

30. Wie oft wurde Jesus von seinen Jüngern dabei angetroffen, wie er mit den verschiedenen Geschöpfen des Universums sprach. Wie oft wurde der Meister bei seinen Gesprächen mit den Vögeln, mit der Flur, mit dem Meer überrascht! Doch sie wussten, dass ihr Meister nicht entrückt war, sie wussten, dass in ihrem Meister der Schöpfergeist des Vaters lebte, welcher allen Wesen eine Sprache gegeben hatte, welcher alle seine "Kinder" verstand, welcher von allem durch Ihn Geschaffenen Lobpreis und Liebe empfing.

31. Wie oft sahen die Jünger und die Leute Jesus, wie er einen Vogel oder eine Blume liebkoste und alles segnete, und in seinen Augen entdeckten sie Blicke unendlicher Liebe für alle Ge­schöpfe! Die Jünger erahnten die gött­liche Wonne des Herrn, wenn er sich von soviel Herrlichkeit, soviel Wun­derbarem umgeben sah, das aus seiner Weisheit hervorgegangen war, und sie sahen auch oftmals Tränen in den Au­gen des Meisters, wenn er die Gleich­gültigkeit der Menschen angesichts solcher Herrlichkeit sah, die Stumpf­heit und die Blindheit der menschli­chen Geschöpfe gegenüber soviel Glanz. Sie sahen den Meister oft wei­nen, wenn er einen Aussätzigen er­blickte, der wegen seines Aussatzes Tränen vergoss, oder Männer und Frauen, die über ihr Schicksal klagten, obwohl sie von einer Sphäre vollkom­mener Liebe umgeben waren! (332,25 - 26)


Die Lehre Jesu

32. Jesus lehrte euch die Barmher­zigkeit, die Sanftmut, die Liebe. Er lehrte euch, euren Feinden von Herzen zu vergeben, sagte euch, dass ihr die Lüge verwerfen und die Wahrheit lie­ben sollt. Er verkündete euch, dass ihr sowohl das Böse, als auch das Gute, das ihr empfinget, immer mit Gutem vergelten sollt. Er lehrte euch die Achtung vor jedem eurer Nächsten, und offenbarte euch die Art und Weise, wie man die Gesundheit des Körpers und des Geistes findet; wie ihr mit eu­rem Leben den Namen eurer Eltern ehrt, damit ihr zugleich von euren Kin­dern geehrt werden könnt.

33. Dies sind einige der Gebote, die jeder befolgen muss, der wirklich Christ sein möchte. (151,35-36)

34. Als die Schriftgelehrten und die Pharisäer die Taten Jesu beobachteten und sie entdeckten, dass sie von den ihren abwichen, behaupteten sie, dass die Lehre, die er predigte, gegen das Gesetz Moses verstieße. Der Grund dafür war, dass sie das Gesetz mit den Traditionen verwechselten. Doch Ich bewies Ihnen, dass Ich das Gesetz, das der Vater dem Moses offenbart hatte, nicht übertreten hatte, sondern es mit Worten und Werken erfüllte.

35. Gewiss setzte Ich Mich über viele der Traditionen jenes Volkes hinweg, weil der Zeitpunkt bereits gekommen war, da sie verschwinden sollten, damit eine neue Zeit mit höheren Lehren beginnen konnte. (149,42 - 43)

 36. Erinnert euch, dass Ich im ersten Gebot des Gesetzes, das Ich der Menschheit durch Moses gab, sagte: "Ihr sollt euch kein Bildnis noch Gleichnis von himmlischen Dingen machen, um euch davor niederzuknien und es anzubeten." Seit damals ist der Weg für den Menschen und der Weg für den Geist deutlich vorgezeichnet.

37. Moses beschränkte sich nicht darauf, den Menschen die Zehn Gebote zu übermitteln, er setzte auch zweit­rangige Gesetze für das menschliche Leben in Kraft und führte Traditionen, Riten und Symbole innerhalb der geis­tigen Gottesverehrung ein, alles den Entwicklungsschritten entsprechend, die damals der menschliche Geist tat.

38. Aber der verheißene Messias kam und beseitigte Traditionen, Riten, Symbole und Opfer und ließ nur das Gesetz unangetastet. Als daher die Pharisäer dem Volke sagten, dass Jesus gegen die Gesetze Moses eingestellt sei, antwortete Ich ihnen, dass Ich nicht gegen das Gesetz sei, vielmehr ge­kommen sei, um es zu erfüllen. Wenn meine Unterweisungen die Traditionen beseitigen würden, so geschähe dies, weil das Volk, um sie zu erfüllen, ver­gessen habe, das Gesetz zu befolgen. (254, 17 - 18)

39. Mein Wort in der Gegenwart wird die Worte, die Ich euch in der "Zweiten Zeit" gab, nicht auslöschen. Die Epochen, Jahrhunderte und Zeital­ter werden vergehen, doch die Worte Jesu werden nicht vergehen. Heute erkläre und offenbare Ich euch den Sinngehalt dessen, was Ich euch da­mals sagte und ihr nicht verstanden habt. (114, 47)


"Wunder" Jesu

40. Damit jene Lehre in den Herzen den Glauben entzünden würde, voll­brachte Ich gleichzeitig Wundertaten, damit sie von ihnen geliebt werden könnte; und damit diese "Wunder" möglichst handgreiflich wären, voll­brachte Ich sie an den Körpern von Kranken, heilte Ich die Blinden, die Tauben, die Stummen, die Lahmen, die Besessenen, die Aussätzigen und er­weckte auch Tote zum Leben.

41. Wie viele Wunder der Liebe tat Christus unter den Menschen! Ihre Namen bewahrte die Geschichte als Beispiel für zukünftige Generationen. (151,37 - 38)

42. Wesen des Lichtes im Dienste des Göttlichen Werkes, und andere, die rebellisch und unwissend waren, machten sich überall bemerkbar, und unter jener Menschheit traten die Be­sessenen in Erscheinung, welche die Wissenschaft nicht zu befreien ver­mochte und die vom Volke verstoßen wurde. Weder die Lehrer des Gesetzes, noch die Wissenschaftler vermochten jenen Kranken die Gesundheit zurück­zugeben.

43. Doch all dies war von Mir vorge­sehen, um euch zu lehren und euch Liebesbeweise zu geben. Ich gewährte euch durch Jesus die Heilung seiner Geschöpfe, zum Erstaunen vieler.

44. Die Ungläubigen, die von der Macht Jesu sprechen gehört hatten und die um seine Wundertaten wussten, verlangten nach den schwierigsten Beweisen, um ihn einen Augenblick unsicher zu machen und zu beweisen, dass er nicht unfehlbar sei. Doch diese Befreiung der Besessenen, die Tatsa­che, dass Ich sie in den Zustand nor­maler Menschenwesen zurückversetzte, nur indem Ich sie berührte oder an­blickte oder ein Befehlswort an sie richtete, damit jene Geister deren Verstand verlassen und beide von ihrer schweren Last befreit sein würden, verwirrte jene.

45. Angesichts dieser Macht zeigten die Pharisäer, die Wissenschaftler, die Schriftgelehrten und die Zöllner unter­schiedliche Reaktionen. Die einen anerkannten die Vollmacht Jesu, an­dere schrieben seine Macht unbekann­ten Einflüssen zu, wieder andere ver­mochten nichts dazu zu sagen. Aber die Kranken, die geheilt worden waren, segneten seinen Namen.

46. Manche waren von einemeinzi­gen Geist besessen gewesen, andere von sieben, wie Maria aus Magdala, und einige von einer so großen Zahl, dass sie selbst sagten, eine Legion zu sein.

47. Während des ganzen Lebens des Meisters folgte eine geistige Manifes­tation nach der anderen. Die einen wurden von den zwölf Jüngern miter­lebt, andere vom Volk- im Freien und in den Heimen. Es war eine Zeit der Wundertaten, der "Wunder". (339, 20 - 22)

48. Das Wunder, so wie ihr es ver­steht, gibt es nicht; es gibt keinen Wi­derspruch zwischen dem Göttlichen und dem Materiellen.

49. Jesus schreibt ihr viele Wunder zu; doch wahrlich, Ich sage euch, seine Taten waren die natürliche Auswirkung der Liebe, dieser göttlichen Kraft, wel­che ihr noch nicht zu gebrauchen wisst, obwohl sie in jedem Geiste ungenutzt vorhanden ist. Denn ihr habt die Kraft der Liebe nicht kennen lernen wollen.

50. Was war in allen Wundertaten, die Jesus vollbrachte, wirksam, außer Liebe?

51. Höret, Jünger: Damit die Liebe Gottes sich der Menschheit kundgeben konnte, war die Demut des Werkzeu­ges notwendig, und Jesus war immer demütig; und da er davon den Men­schen ein Beispiel gab, sagte er euch bei einer Gelegenheit, dass er ohne den Willen seines Himmlischen Vaters nichts zu tun vermöchte. Wer nicht in die Demut dieser Worte eindringt, wird denken, dass Jesus ein Mensch wie jeder andere war; doch die Wahrheit ist, dass er euch eine Lehre der Demut geben wollte.

52. Er wusste, dass diese Demut, diese Einheit mit dem Vater ihn gegen­über der Menschheit allmächtig machte.

53. O überaus große und schöne Ver­klärung, welche die Liebe, die Demut und die Weisheit schenkt!

54. Nun wisst ihr, warum Jesus, ob­wohl er sagte, dass er nichts tun könne, wenn es nicht nach dem Willen seines Vaters war, in Wirklichkeit alles ver­mochte; denn er war gehorsam, denn er war demütig, denn er machte sich zum Diener des Gesetzes und der Men­schen, und er verstand zu lieben.

55. Erkennet also, dass - obschon ihr selbst einige der Fähigkeiten der geisti­gen Liebe kennt - ihr sie nicht empfin­det, und darum könnt ihr nicht die Ursache begreifen von all dem, was ihr Wunder oder Mysterium nennt, wel­ches die Werke sind, die die göttliche Liebe bewirkt.

56. Welche Lehren gab euch Jesus, die nicht aus Liebe bestanden hätten? Welche Wissenschaft, welche Übungen oder geheimnisvollen Kenntnisse wand­te er an, um euch Seine Beispiele von Macht und Weisheit zu geben?: Nur die beseligende Liebe, mit der man alles vermag.

57. Es gibt nichts Widersprüchliches in den Gesetzen des Vaters, die einfach sind, weil weise, und weise, weil von Liebe durchdrungen.

58. Begreift den Meister, er ist euer Lehrbuch. (17,11 - 21)

 59. Der Geist, der Jesus belebte, war Mein eigener, euer Gott, welcher Mensch wurde, um unter euch zu woh­nen und sich anschauen zu lassen, weil dies notwendig war. Ich fühlte als Mensch alle menschlichen Leiden. Die Wissenschaftler, die das Wesen der Natur studiert hatten, kamen zu Mir und entdeckten, dass sie von meiner Lehre nichts wussten. Große und Kleine, Tugendhafte und Sündige, Unschuldige und Schuldige empfingen die Essenz meines Wortes, und alle würdigte Ich meiner Gegenwart. Doch obschon viele berufen wurden, waren es nur wenige Auserwählte, und noch weniger, die um mich waren. (44, 10)


Die Ehebrecherin

60. Ich verteidigte die Sünder. Erin­nert ihr euch nicht an die Ehebreche­rin? Als sie zu Mir gebracht wurde, von der Volksmenge verfolgt und ver­dammt, kamen die Pharisäer und frag­ten Mich: "Was sollen wir mit ihr ma­chen?‘ - Die Priester erwarteten, dass Ich sagen würde: ‚Lasst die Gerechtig­keit walten‘, um dann zu erwidern: "Wie kommt es, dass du die Liebe predigst und erlaubst, dass diese Sün­derin bestraft wird?‘ Und wenn Ich gesagt hätte: ‚Lasst sie frei‘, hätten sie geantwortet: "In den Gesetzen Moses, die du - wie du sagst - bestätigst, gibt es eine Vorschrift, die besagt: "Jede Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde, soll gesteinigt werden."

61. Da Ich ihre Absicht erkannte, antwortete Ich nicht auf ihre Worte, beugte Mich nieder und schrieb in den Staub der Erde die Sünden jener, die sie verurteilten. Von neuem fragten sie Mich, was sie mit jener Frau tun sollen, und Ich antwortete ihnen: "Wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein." Da erkannten sie ihre Verfeh­lungen und entfernten sich, wobei sie ihre Gesichter bedeckten. Keiner war rein, und da sie sich von mir bis auf den Grund ihres Herzens durchschaut fühlten, klagten sie jene Frau nicht mehr an, denn sie alle hatten gesündigt. Doch die Frau und mit ihr andere, die gleichfalls die Ehe gebrochen hatten, bereuten und sündigten nicht mehr. Ich sage euch, es ist leichter, einen Sünder durch Liebe zu bekehren als durch Strenge. (44, 11)


Maria Magdalena

62. Maria Magdalena – die Sünderin, wie die Welt sie genannt hat – hatte meine Zärtlichkeit und meine Verge­bung verdient.

63. Bald erlangte sie ihre Erlösung, was bei andern, die nur mit schwachem Glauben um Vergebung für ihre Sün­den bitten, nicht geschieht. Während sie das, wonach sie suchte, bald fand, erlangen es andere nicht.

64. Magdalena wurde vergeben, ohne dass sie mit ihrer Umkehr prahlte. Sie hatte gesündigt, wie auch ihr sündigt; doch sie hatte viel geliebt.

65. Wer liebt, mag Verirrungen in seinem menschlichen Verhalten auf­weisen; aber die Liebe ist die Zärtlich­keit, die aus dem Herzen über­strömt. Wenn ihr wollt, dass euch – wie ihr - vergeben werden soll, so richtet eure Blicke voll Liebe und Vertrauen auf Mich, und ihr werdet von jeder Ver­fehlung freigesprochen werden.

66. Jene Frau sündigte nicht mehr; die Liebe, von der ihr Herz über­strömte, widmete sie der Lehre des Meisters.

67. Ihr wurde vergeben, obwohl sie Fehler begangen hatte. Aber in ihrem Herzen brannte das Feuer, das läutert, und aufgrund der Vergebung, die die Sünderin empfing, trennte sie sich keinen Augenblick mehr von Jesus; meine Jünger dagegen ließen Mich in den blutigsten Stunden allein. Doch jene geringgeachtete Maria trennte sich nicht von Mir, verleugnete Mich nicht, fürchtete sich nicht, noch schämte sie sich.

68. Daher wurde ihr gewährt, zu Fü­ßen meines Kreuzes und über meiner Grabesstätte Tränen zu vergießen. Ihr Geist fand bald Erlösung, weil er viel liebte.

69. In ihrem Herzen hatte auch sie einen Apostelgeist. Ihre Bekehrung strahlt wie das Licht der Wahrheit. Sie hatte sich zu meinen Füßen niederge­worfen, um Mir zu sagen: "Herr, wenn Du es willst, werde ich frei von Sünde sein."

70. Ihr dagegen – wie oft wollt ihr Mich von eurer Unschuld überzeugen, indem ihr eure Verfehlungen mit lan­gen Gebeten verdeckt.

71. Nein, Jünger, lernt von ihr, liebt euren Herrn wirklich in jedem eurer Mitmenschen. Liebt viel, und eure Sünden werden euch vergeben werden. Ihr werdet groß sein, wenn ihr diese Wahrheit in euren Herzen zum Erblü­hen bringt. (212, 68 – 75)


Nikodemus und die Reinkarnations­frage

72. In jener Zeit sagte Ich Nikode­mus, der Mich in guter Gesinnung aufgesucht hatte, um mit Mir zu spre­chen: "Was vom Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was vom Geiste gebo­ren ist, ist Geist. Wundere dich nicht, wenn Ich dir sage, dass man nochmals geboren werden muss." Wer verstand jene Worte?

73. Ich wollte euch mit ihnen sagen, dass ein Menschenleben nicht genügt, um eine einzige meiner Lehren zu begreifen, und dass ihr, um das Lehr­buch, das dies Leben in sich birgt, zu verstehen, viele Erdenleben benötigt. Daher hat das Fleisch nur die Aufgabe, dem Geist als Stütze zu dienen bei ihrem Gang über die Erde. (151, 59)


Die Verklärung Jesu

74. In der "Zweiten Zeit" machte Je­sus einmal eine Wanderung, gefolgt von einigen seiner Jünger. Sie hatten einen Berg erstiegen, und während der Meister jene Männer durch seine Worte mit Bewunderung erfüllte, sahen sie plötzlich den Körper ihres Herrn ver­klärt, welcher im Raume schwebte und zu seiner rechten den Geist Moses und zu seiner Linken den Elias hatte.

75. Bei jenem übernatürlichen An­blick warfen sich die Jünger zur Erde, geblendet vom Göttlichen Lichte. Doch sie beruhigten sich sogleich und schlu­gen ihrem Meister vor, über seine Schultern den Purpurmantel der Kö­nige zu legen, ebenso über Mose und Elia. Da hörten sie eine Stimme, die aus der Unendlichkeit herabkam, wel­che sprach: "Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe; hört auf Ihn!"

76. Große Furcht befiel die Jünger, als sie jene Stimme hörten, und als sie aufblickten, sahen sie nur den Meister, der ihnen sagte: "Fürchtet euch nicht und sagt dieses Gesicht niemandem, bis ich von den Toten auferstanden bin." Da fragten sie ihren Herrn: "Wa­rum sagen die Schriftgelehrten, dass Elia zuvor kommen muss?" Und Jesus antwortete ihnen: "Wahrlich, Elia wird zuvor kommen und alle Dinge zurecht­rücken. Doch Ich sage euch, dass Elia schon gekommen ist, und sie erkannten ihn nicht; vielmehr taten sie an ihm, was sie wollten." Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täu­fer zu ihnen sprach.

77. Wie oft habe Ich in der jetzigen Zeit vor euren Augen den Körper, durch den Ich Mich mitteile, unsichtbar werden lassen, um euch dann zu erlau­ben, Mich in der menschlichen Gestalt, in der die Menschheit Jesus kannte, zu schauen, und dennoch habt ihr euch angesichts der neuen Verklärung¨ nicht niedergeworfen. (29,15 - 18)


Mangelnder Bekennermut

78. Als Ich damals menschgeworden unter euch lebte, geschah es oftmals, dass bei Nacht, wenn alle ruhten, Men­schen zu Mir kamen, die Mich heim­lich aufsuchten, weil sie fürchteten, entdeckt zu werden. Sie suchten Mich auf, weil sie Gewissensbisse fühlten, da sie Mich angeschrieen und Ärgernis gegen Mich erregt hatten, während Ich zur Menschenmenge sprach. Ihr Reue­gefühl war noch eindringlicher, als sie feststellten, dass mein Wort in ihrem Herzen ein Geschenk des Friedens und des Lichtes hinterlassen hatte, und Ich in ihrem Körper meinen Heilbalsam verströmt hatte.

79. Mit gesenktem Kopf erschienen sie bei Mir und sagten Mir: "Meister, vergib uns, wir haben erkannt, dass dein Wort Wahrheit enthält." Ich ant­wortete ihnen: "Wenn ihr entdeckt habt, dass Ich nur die Wahrheit spreche - warum verbergt ihr euch dann? Geht ihr nicht ins Freie, um die Strahlen der Sonne zu empfangen, wenn diese er­scheint - doch wann habt ihr euch des­sen geschämt? Wer die Wahrheit liebt, verheimlicht sie niemals, noch leugnet er sie, noch schämt er sich ihretwegen."

80. Ich sage euch dies, weil Ich sehe, dass viele Mir nur heimlich zuhören und leugnen, wohin sie gegangen sind- verheimlichen, was sie gehört haben, und manchmal abstreiten, bei Mir ge­wesen zu sein. Wessen schämt ihr euch dann? (133,23 - 26)


Anfeindungen gegen Jesus

81. Wenn Ich in der "Zweiten Zeit" zu den Menschenscharen sprach, wurde mein Wort- in Sinngehalt und Form vollkommen- von allen vernommen. Mein in die Herzen dringender Blick entdeckte alles, was ein jeder in sich barg. In den einen war Zweifel, in an­dern Glauben, in wieder andern sprach eine angsterfüllte Stimme zu Mir: es waren die Kranken, deren Schmerz sie von Mir ein Wunder erhoffen ließ. Es gab welche, die ihren Spott zu verber­gen suchten, wenn sie Mich sagen hörten, dass Ich vom Vater käme, um den Menschen das Himmelreich zu bringen, und es gab auch Herzen, in denen Ich Hass gegen Mich entdeckte und die Absicht, Mich zum Schweigen zu bringen oder zu beseitigen.

82. Es waren die Hochmütigen, die Pharisäer, die sich durch meine Wahr­heit getroffen fühlten. Denn obwohl mein Wort so klar war, so voller Liebe und so trostreich - obwohl es immer durch machtvolle Werke bestätigt wurde, wollten viele Menschen weiter­hin die Wahrheit meiner Gegen­wart dadurch entdecken, dass sie Mich nach dem Menschen Jesus beurteilten, in­dem sie mein Leben erforschten und ihr Augenmerk auf die Bescheidenheit meiner Gewänder und meine absolute Armut an materiellen Gütern richteten.

83. Doch nicht zufrieden damit, Mich zu verurteilen, verurteilten sie auch meine Jünger, beobachteten sie diese genau, ob sie nun sprachen, ob sie Mir auf den Wegen nachfolgten oder sich zu Tisch setzten. Wie regten sich die Pharisäer darüber auf, als sie bei einer bestimmten Gelegenheit sahen, dass meine Jünger sich nicht die Hände gewaschen hatten, bevor sie sich zu Tische setzten!: Armselige Köpfe, die die Reinlichkeit des Körpers mit der Reinheit des Geistes verwechselten! Sie waren sich nicht bewusst, dass, wenn sie im Tempel die heiligen Brote anfassten, ihre Hände zwar sauber, aber ihre Herzen voller Fäulnis waren. (356,37 - 38)

84. Auf Schritt und Tritt forschte man Mich aus. Alle meine Taten und Worte wurden mit böser Absicht beur­teilt, meist waren sie angesichts meiner Werke und Beweise verwirrt, denn ihr Verstand war nicht fähig, das zu ver­stehen, was nur der Geist begreifen kann.

85. Wenn Ich betete, sagten sie: "Wozu betet er, wo er doch sagt, dass er voll Macht und Weisheit ist? Was kann er benötigen oder erbitten?" Und wenn ich nicht betete, sagten sie, dass Ich ihre religiösen Vorschriften nicht erfülle.

86. Wenn sie sahen, dass Ich keine Nahrung zu Mir nahm, während meine Jünger aßen, urteilten sie, dass Ich Mich außerhalb der von Gott einge­setzten Gesetze befand; und wenn sie Mich Nahrung zu Mir nehmen sahen, fragten sie sich: ‘Wozu muss er essen, um zu leben- er, der behauptete, dass er das Leben sei?’ Sie verstanden nicht, dass Ich zur Welt gekommen war, um den Menschen zu offenbaren, wie die Menschheit nach einer langen Läute­rungszeit leben würde, damit aus ihr eine vergeistigte Generation hervorge­hen würde, die über dem menschlichen Elend, über den notwendigen Bedürf­nissen des Fleisches und über den Lei­denschaften der körperlichen Sinne stünde. (40,11 - 13)


Abschiedsankündigung

87. Drei Jahre lang lebte Jesus mit seinen Jüngern zusammen. Er wurde von großen Menschenmengen umla­gert, die ihn zutiefst liebten. Es gab für jene Jünger nichts als das Hören auf ihren Meister, wenn er seine Göttliche Lehre predigte. Seinen Schritten fol­gend spürten sie weder Hunger noch Durst, es gab keinerlei Straucheln oder Hemmnis, alles war Friede und Glück in der Atmosphäre, die jene Gruppe umgab, und dennoch – als sie einmal von der Betrachtung ihres geliebten Jesus besonders hingerissen waren, sprach er zu ihnen: "Es wird nun eine andere Zeit kommen; ich werde von euch gehen, und ihr werdet wie Schafe unter Wölfen zurückbleiben. Diese Stunde rückt näher, und es ist notwen­dig, dass ich dahin zurückkehre, von wo ich gekommen bin. Ihr werdet eine Zeitlang allein sein und das Zeugnis von dem, was ihr gesehen und gehört habt, den nach Liebe und Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden bringen. Wirkt in meinem Namen, und hernach werde ich euch zu mir nehmen in die Ewige Heimat".

88. Jene Worte machten die Jünger traurig, und je näher die Stunde kam, wiederholte Jesus jene Ankündigung mit größerem Nachdruck, sprach er von seinem Abschied. Aber zugleich tröstete er die Herzen jener, die ihm zuhörten, indem er ihnen sagte, dass sein Geist nicht scheiden und auch fernerhin über die Welt wachen würde. Wenn sie sich zurüsteten, um den Men­schen jener Zeit sein Wort als eine Botschaft des Trostes und der Hoff­nung zu bringen, so würde er durch ihren Mund sprechen und Wunder tun. (354,26 - 27)


Jesu Einzug in Jerusalem

89. Jubelnd empfingen Mich die Menschenmengen, als Ich die Stadt Jerusalem betrat. Aus den Dörfern und Gassen kamen sie in Scharen – Män­ner, Frauen und Kinder, um den Einzug des Meisters in die Stadt mitzuerleben. Es waren jene, die das Wunder und den Beweis der Macht des Gottessohnes erhalten hatten – Blinde, die nun sahen, Stumme, die jetzt Hosiannah singen konnten, Lahme, die ihr Bett verlassen hatten und eilends herbeikamen, um den Meister auf dem Passahfest zu sehen.

90. Ich wusste, dass dieser Triumph flüchtig war, meinen Jüngern hatte Ich bereits vorausgesagt, was danach ge­schehen würde. Dies war kaum mehr als der Beginn meines Kampfes, und heute, aus weitem Abstand zu jenen Geschehnissen, sage Ich euch, dass das Licht meiner Wahrheit weiterhin gegen die Finsternis der Unwissenheit, der Sünde und des Betruges kämpft, wes­halb Ich hinzufügen muss, dass mein endgültiger Triumph noch nicht ge­kommen ist.

91. Wie könnt ihr glauben, dass jener Einzug in Jerusalem den Sieg meiner Sache bedeutet habe, wo es doch nur einige wenige waren, die sich bekehrt hatten, und derer viele waren, die nicht erkannten, wer Ich war?

92. Und selbst wenn jene Menschen sich alle zu meinem Worte bekehrt hätten – mussten nicht noch viele Ge­nerationen nachfolgen?

93. Jener Augenblick des Jubels, je­ner kurzfristige, triumphale Einzug war nur das Sinnbild des Sieges des Lich­tes, des Guten, der Wahrheit, der Liebe und der Gerechtigkeit – des Tages, der kommen muss und zu dem ihr alle eingeladen seid.

94. Wisset, dass wenn ein einziges meiner Kinder sich dann außerhalb des Neuen Jerusalem befände, kein Fest stattfinden würde, denn Gott könnte dann nicht von Triumph sprechen, Er könnte keinen Sieg feiern, wenn seine Macht nicht imstande gewesen wäre, auch das letzte seiner Kinder zu retten. (268, 17 - 21)

95. Ihr seid dieselben wie die, die in der "Zweiten Zeit" das Hosiannah san­gen, als Jesus Jerusalem betrat. Heute, da Ich Mich euch im Geiste kundtue, breitet ihr nicht mehr eure Mäntel auf meinem Wege aus, es sind eure Her­zen, die ihr eurem Herrn als Wohnung anbietet. Heute kommt euer Hosiannah nicht mehr aus voller Kehle, dies Hosi­annah entspringt eurem Geiste als ein Hymnus der Demut, der Liebe und Erkenntnis des Vaters, als ein Hymnus des Glaubens an diese Kundgebung, die euer Herr euch in der "Dritten Zeit" gebracht hat.

96. Einst wie heute seid ihr Mir bei meinem Einzug in Jerusalem gefolgt. Die großen Menschenmassen umgaben Mich, gefesselt von meinen Worten der Liebe. Männer und Frauen, Alte und Kinder erschütterten die Stadt mit ihren Jubelrufen, und selbst die Priester und Pharisäer, die befürchteten, dass das Volk rebellieren würde, sprachen zu Mir: "Meister, wenn Du den Frieden lehrst - warum erlaubst Du, dass Deine Anhänger einen solchen Aufruhr verur­sachen?" Doch Ich antwortete ihnen: "Wahrlich, Ich sage euch, wenn diese schweigen würden, würden die Steine sprechen." Denn es waren Augenblicke des Jubels, es war der Höhepunkt und die Verherrlichung des Messias unter den nach Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden - jenen, die lange Zeit hindurch die Ankunft des Herrn in Erfüllung der Prophetien erwartet hat­ten.

97. Mit jenem Jubel und jener Freude feierte mein Volk auch die Befreiung aus Ägypten. Jenes Gedenken an das Passah wollte Ich für mein Volk un­vergesslich machen. Aber wahrlich, Ich sage euch, Ich befolgte nicht bloß eine Tradition, indem Ich ein Lamm opferte - nein, Ich bot Mich in Jesus, dem Op­ferlamm, als den Weg an, durch den alle meine Kinder Erlösung finden würden. (318,57 - 59)



Das letzte Abendmahl

98. Als Jesus mit seinen Jüngern je­nes Passahmahl feierte, wie es der Tradition jenes Volkes entsprach, sagte er ihnen: "Etwas Neues offenbare ich euch nun: nehmt von diesem Wein und eßt von diesem Brot, die mein Blut und meinen Körper darstellen, und tut dies zu meinem Gedächtnis.

99. Nach dem Hinscheiden des Meisters gedachten die Jünger des Opfers ihres Herrn, indem sie Wein zu sich nahmen und Brot aßen, was Sym­bole für Jenen waren, der aus Liebe zur Menschheit alles hingab.

100. Im Laufe der Jahrhunderte ga­ben die in Konfessionen aufgespalte­nen Völker meinem Worte unter­schiedliche Auslegungen.

101. Heute will Ich euch sagen, was Ich in jener Stunde, bei jenem Abend­mahl empfunden habe, bei dem jedes Wort und jede Handlung Jesu die Lek­tion eines Buches von tiefer Weisheit und unendlicher Liebe war. Wenn Ich dazu Brot und Wein verwendete, ge­schah es, um euch verstehen zu lassen, dass sie der Liebe gleichen, welche die Nahrung und das Leben des Geistes ist; und wenn Ich euch sagte: "Tut dies zu meinem Gedächtnis", dann wollte der Meister damit sagen, dass ihr eure Nächsten mit einer Liebe ähnlich jener von Jesus lieben und euch den Men­schen als wahre Nahrung hingeben solltet.

102. Jeder Ritus, den ihr aus diesen Unterweisungen macht, wird unfrucht­bar sein, wenn ihr meine Lehren und Beispiele nicht in eurem Leben zur Anwendung bringt. Gerade das ist das Schwierige für euch, aber darin besteht das Verdienst. (151, 29 - 32, 34)

103. So wie ihr jetzt um Mich seid, so war es auch an jenem letzten Abend in der "Zweiten Zeit". Die Sonne ging gerade unter, als Jesus sich in jenem Raum zum letzten Mal mit seinen Jün­gern besprach. Es waren die Worte eines sterbenden Vaters an seine viel­geliebten Kinder. Trauer war in Jesus und auch in den Jüngern, die noch nicht wussten, was einige Stunden später Jenen erwartete, der sie gelehrt und so sehr geliebt hatte. Ihr Herr war im Begriff zu scheiden, doch sie wuss­ten noch nicht wie. Petrus weinte und umklammerte dabei den Kelch an sei­nem Herzen, Johannes benetzte mit seinen Tränen die Brust des Meisters, Matthäus und Bartholomäus waren außer sich bei meinen Worten. Philip­pus und Thomas verbargen ihr Herze­leid, während sie aßen. Jakobus der Jüngere und Ältere, Thaddäus, Andreas und Simon waren stumm vor Schmerz; dennoch war es vieles, was sie zu Mir mit dem Herzen sprachen. Auch Judas Ischariot trug Schmerz in seinem Her­zen, doch auch Angst und Gewissen­bisse. Aber er konnte nicht mehr zu­rück, weil die Finsternis ihn in Besitz genommen hatte.

104. Als Jesus seine letzten Worte und Ermahnungen gesprochen hatte, waren jene Jünger tränenüberströmt. Doch einer von ihnen war nicht mehr da, sein Geist konnte soviel Liebe nicht aufnehmen, noch soviel Licht schauen, und so ging er fort, weil jenes Wort sein Herz versengte. (94, 56-58)

105. Die Göttliche Sehnsucht Jesu war, dass seine Jünger zu Sämännern seiner erlösenden Lehre werden wür­den.

106. Auf dem Höhepunkt seiner letzten Ansprache an die Jünger, wel­che zugleich das letzte Gespräch zwi­schen dem Vater und den Kindern war, sagte er ihnen daher in liebevollem Ton: "Ich gebe euch nun ein neues Gebot: Liebet einander".

  

107. Mit dem Lichte jenes Höchstge­botes entzündete er dabei die größte Hoffnung für die Menschheit. (254, 59)

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¨ Dieses Phänomen ist in der Parapsycho­logie auch als "Transfiguration" bekannt,
als die zunehmende Sichtbarwer­dung eines sich manifestierenden Geistwesens

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Kapitel 12 - Leiden, Tod und Auferstehung

Lebenslange Mühen und Leiden Jesu

1. Ich lebte unter den Menschen und machte aus meinem Leben ein Vorbild, ein Lehrbuch. Ich lernte alle Leiden kennen, die Versuchungen und die Kämpfe, die Armut, die Arbeit und die Verfolgungen. Ich erlebte die Ableh­nung durch die Angehörigen, die Un­dankbarkeit und den Verrat; die langen Tageswerke, den Hunger und den Durst, den Spott, die Einsamkeit und den Tod. Ich ließ zu, dass die ganze Last der menschlichen Sünde auf Mich fiel. Ich erlaubte, dass der Mensch meinen Geist in meinem Worte und in meinem durchbohrten Körper er­forschte, wo man selbst die letzte mei­ner Rippen sehen konnte. Obwohl Gott, wurde Ich zu einem Spottkönig, zu einem Entblößten gemacht und musste auch noch das Kreuz der Schande tra­gen und damit den Hügel hinaufstei­gen, wo die Räuber starben. Dort en­dete mein menschliches Leben als ein Beweis dafür, dass Ich nicht nur der Gott des Wortes bin, sondern der Gott der Taten. (217, 11)

2. Als die Stunde nahte und das Abendmahl zu Ende war, hatte Jesus seinen Jüngern die letzten Anweisun­gen gegeben. Er brach auf zum Oliven­garten, wo er zu beten pflegte, und sprach zum Vater: "Herr, wenn es möglich ist, so nimm diesen Kelch von mir. Doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe." Dann näherte sich jener meiner Jünger, der Mich auslie­fern sollte, begleitet von einer Schar, die Mich festnehmen würde. Als jene fragten: "Wer ist Jesus, der Nazare­ner?" näherte sich Judas seinem Meis­ter und küsste ihn. Im Herzen jener Männer war Furcht und Betroffenheit, als sie die ruhige Gefasstheit Jesu sa­hen, und sie fragten noch einmal: "Wer ist Jesus?" Da ging Ich auf sie zu und sagte ihnen: "Hier bin Ich, Ich bin's". Da begann meine Passion.

3. Sie brachten Mich vor Priester, Richter und Machthaber. Sie verhörten Mich, urteilten über Mich und klagten Mich an, gegen das Gesetz Moses zu verstoßen und ein Reich schaffen zu wollen, welches das des Kaisers zerstö­ren sollte. (152,6 - 7)


Der Verrat des Judas

4. Erinnert ihr euch nicht, bei wie vielen Gelegenheiten Ich meine Liebe offenbarte, nicht nur bei denen die an Mich glaubten, sondern auch bei je­nem, der Mich verriet, und bei denen, die Mich verfolgten und richteten? Jetzt könntet ihr Mich fragen, was der Grund war, der Mich bewog, all jene Verhöhnungen zuzulassen. Und Ich antworte euch: Es war notwendig, dass Ich ihnen völlige Freiheit der Gedan­ken und des Handelns ließ, um pas­sende Gelegenheiten zu schaffen, Mich zu offenbaren, und damit alle die Barmherzigkeit und Liebe erfahren würden, die Ich die Welt lehrte.

5. Ich bewog das Herz des Judas nicht, Mich zu verraten; er war Werk­zeug eines bösen Gedankens, als sein Herz von Finsternis erfüllt war. Doch angesichts der Untreue jenes Jüngers zeigte Ich ihm meine Vergebung.

6. Es wäre nicht nötig gewesen, dass einer der Meinen Mich verriet, um euch jenes Beispiel von Demut zu geben. Der Meister hätte sie bei jeder beliebigen Gelegenheit bewiesen, die ihm die Menschen geboten hätten. Jenem Jünger fiel es zu, das Werkzeug zu sein, durch das der Meister der Welt seine Göttli­che Demut zeigte. Auch wenn ihr dachtet, dass es die Schwach­heit jenes Menschen war, die den Tod Jesu herbeiführte, so sage Ich euch, dass ihr im Irrtum seid; denn Ich kam, um Mich euch ganz hinzugeben, und wenn es nicht auf diese Art gewesen wäre, so könnt ihr sicher sein, dass es auf andere Weise geschehen wäre. Darum habt ihr kein Recht, jenen zu verfluchen oder zu richten, der euer Bruder ist, welchem in einem Augen­blick der Verfinsterung die Liebe und die Treue fehlte, die er seinem Meister schuldete. Wenn ihr ihm die Schuld an meinem Tode gebt - warum segnet ihr ihn nicht, da ihr wisst, dass mein Blut für die Rettung aller Menschen vergos­sen wurde? Es wäre besser für euch, zu beten und zu bitten, dass niemand von euch in Versuchung falle, denn die Heuchelei der Schriftgelehrten und Pharisäer existiert noch immer in dieser Welt. (90,37 - 39)


Jesu Passion

7. Als Ich vom Hohepriester Kaiphas verhört wurde und er zu Mir sagte: "Ich beschwöre Dich, dass Du mir sagst, ob Du Christus bist, der Messias, der Sohn Gottes", da antwortete Ich ihm: "Du hast es gesagt." (21, 30)

8. Wie viele Herzen, die wenige Tage zuvor meine Werke bewundert und gesegnet hatten, vergaßen diese, zeig­ten sich undankbar und schlossen sich denen an, die Mich schmähten. Doch es war notwendig, dass jenes Opfer sehr groß war, damit es niemals aus dem Gedächtnis der Menschen ge­löscht wür­de.

9. Die Welt, und ihr als Teil von ihr, habt Mich verlästert, verspottet und erniedrigt gesehen, wie es kein Mensch hätte sein können. Doch geduldig leerte Ich den Kelch, den ihr Mir zu trinken gabt. Schritt für Schritt erfüllte Ich meine Liebesbestimmung unter den Menschen und schenkte Mich meinen Kindern ganz.

10. Selig, die an ihren Gott glaubten, obwohl sie Ihn blutüberströmt und keuchend erlebten.

11. Doch etwas Schwereres erwartete Mich noch: zwischen zwei Räubern an ein Holz genagelt zu sterben. Aber es stand geschrieben, und daher musste es in Erfüllung gehen, damit Ich als der wahre Messias erkannt würde. (152, 8 -11)

12. Für diese Unterweisung, die Ich euch gerade gebe, gab Ich euch bereits in der "Zweiten Zeit" ein Beispiel. Jesus hing am Kreuze, der Erlöser rang mit dem Tod angesichts der Menschen­scharen, die er so sehr geliebt hatte. Jedes Herz war eine Tür, an die er geklopft hatte. Unter der Zuschauer­schar befand sich der Mensch, der Menschenmassen regierte, der Kir­chenfürst, der Zöllner, der Pharisäer, der Reiche, der Arme, der Verkom­mene, und der von schlichtem Gemüt. Doch während die einen wussten, wer Der war, der in jener Stunde starb, weil sie seine Werke gesehen und seine Wohltaten empfangen hatten, be­schleunigten andere voll Durst nach unschuldigem Blut und gierig nach Rache den Tod Jenes, den sie höhnisch "König der Juden" nannten, ohne zu wissen, dass er nicht nur König eines Volkes war, sondern dass er es von allen Völkern der Erde und von allen Welten des Universums war. Während Jesus einen seiner letzten Blicke auf jene Menschenscharen richtete, erhob er voll erbarmender Liebe und Mitleid seine Bitte zum Vater und sprach: "Mein Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

13. Jener Blick umfasste sowohl die, die um ihn weinten, als auch jene, die sich an seiner Qual weideten, denn die Liebe des Meisters, welche die Liebe des Vaters war, galt allen gleicherma­ßen. (103, 26 - 27)

14. Als der Tag kam, an dem die Volksmenge, aufgehetzt von denen, die sich durch die Gegenwart Jesu beunru­higt fühlten, ihn verletzte und geißelte und ihn infolge der Schläge wie einen gewöhnlichen Sterblichen bluten und später mit dem Tode ringen und ster­ben sah wie jeder andere Mensch, da riefen die Pharisäer, die Oberen des Volkes und die Priester befriedigt aus: "Seht ihn euch an, der sich Sohn Gottes nennt, sich für einen König hielt und für den Messias ausgab!"

15. Gerade für sie, mehr als für an­dere, bat Jesus seinen Vater, dass Er ihnen vergeben möge – ihnen, die- obwohl sie die Schriften kannten- Ihn nun verleugneten und gegenüber der Menschenmenge als einen Betrüger hinstellten. Sie waren es, die trotz ihrer Behauptung, Lehrer des Gesetzes zu sein, bei der Verurteilung Jesu in Wirklichkeit nicht wussten, was sie taten, während es dort unter der Volksmenge Herzen gab, die ange­sichts der Ungerechtigkeit, die sie mit ansahen, vom Schmerz zerrissen wa­ren, und Gesichter, die angesichts des Opfertodes des Gerechten von Tränen überströmt waren. Es waren die Män­ner und Frauen von schlichtem Gemüt und demütigem und hochherzigem Geiste, die wussten, Wer auf der Welt bei den Menschen gewesen war, und die begriffen, was diese beim Hin­scheiden des Meisters verloren. (150, 24 - 25)

16. Es spricht Jener zu euch, der am Kreuze mit dem Tode ringend und von den Henkersknechten misshandelt und gemartert seine Augen zur Unendlich­keit erhob und sprach: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

17. In jene Göttliche Vergebung schloss Ich alle Menschen aller Zeiten ein, denn Ich konnte die Vergangen­heit, die Gegenwart und die Zukunft der Menschheit sehen. Ich kann euch in Wahrheit und im Geiste sagen, dass Ich auch euch in jener gesegneten Stunde geschaut habe, die ihr in dieser Zeit mein neues Wort vernehmt. (268, 38 -39)

18. Als Ich von der Höhe des Kreu­zes herab meine letzten Blicke auf die Menschenschar richtete, erblickte Ich Maria, und ihr sagte Ich mit Bezug auf Johannes: "Frau, dieser hier ist dein Sohn", und zu Johannes: "Sohn, dies ist deine Mutter."

19. Johannes war der einzige in jener Stunde, der den Sinn des folgenden Satzes verstehen konnte, denn die Volks­­menge war so blind, dass, als Ich sagte: "Mich dürstet", sie der Meinung war, dass es körperlicher Durst war, und sie Mir Galle und Essig reichte, während es doch Durst nach Liebe war, was mein Geist empfand.

20. Auch die beiden Übeltäter rangen neben Mir mit dem Tode; doch wäh­rend der eine lästerte und sich ins Ver­derben stürzte, ließ sich der andere vom Lichte des Glaubens erleuchten; und obwohl er seinen Gott an den schmachvollen Kreuzesbalken genagelt und dem Tode nahe sah, glaubte er an seine Göttlichkeit und sagte zu ihm: "Wenn Du im Himmelreich bist, so gedenke meiner", worauf Ich, von soviel Glau­ben bewegt, antwortete: "Wahrlich, Ich sage dir, heute noch wirst du mit Mir im Paradiese sein."

21. Niemand kennt die Stürme, die in dieser Stunde im Herzen Jesu tobten. Die entfesselten Naturgewalten waren nur eine schwache Widerspiegelung dessen, was in der Einsamkeit jenes Menschen vor sich ging, und der Schmerz des Göttlichen Geistes war so groß und so real, dass das Fleisch, das sich für einen Augenblick schwach fühlte, ausrief: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

22. So, wie Ich die Menschen zu le­ben lehrte, lehrte Ich sie auch zu ster­ben, wobei Ich selbst denen vergab und sie segnete, die Mich schmähten und marterten, als Ich zum Vater sprach: "Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."

23. Und als der Geist diese Welt ver­ließ, sagte er: "Vater, in Deine Hände befehle Ich meinen Geist." Das voll­kommene Lehrbeispiel war vollbracht, als Gott und als Mensch hatte Ich ge­sprochen. (152, 12 - 17)

24. Ein Augenblick genügte Dimas, um die Rettung zu finden, und dieser war der letzte seines Lebens. Er sprach zu Mir vom Kreuze aus, und obwohl er sah, dass Jesus, den man Gottes Sohn nannte, im Todeskampf lag, fühlte er, dass Er der Messias, der Heiland war; und er übergab sich ihm mit der ganzen Reue seines Herzens und der ganzen Demut seines Geistes. Darum ver­sprach Ich ihm das Paradies noch für denselben Tag.

25. Ich sage euch, Ich werde jeden, der unbewusst sündigt, aber am Ende seines Lebens mit einem Herzen voller Demut und Glauben zu Mir spricht, die Zärtlichkeit meiner erbarmenden Liebe spüren lassen, die ihn aus den Nöten der Erde emporhebt, um ihn die Selig­keit eines edlen und erhöhten Lebens kennen lernen zu lassen. (94, 71 - 72)

26. Ja, lieber Dimas, du warst mit Mir im Paradies des Lichtes und des geistigen Friedens, wohin Ich deinen Geist als Belohnung für deinen Glau­ben trug. Wer hätte denen, die daran zweifelten, dass in Jesus - sterbend und blutend wie er war - ein Gott wohnte, wohl sagen können, dass sich in dem Räuber, der zu seiner Rechten im To­deskampf lag, ein Lichtgeist verbarg?

27. Die Zeit verging, und als die Seelenruhe sich wieder einstellte, dran­gen viele von denen, die Mich ablehn­ten und verspotteten, in das Licht mei­ner Wahrheit ein, weshalb ihre Reue groß war und ihre Liebe in meiner Nachfolge unzerstörbar. (320, 67)

28. Als der Körper, der Mir in der Zweiten Zeit als Hülle diente, in den Todeskampf eintrat, und Ich vom Kreuze herab die letzten Worte sprach, war unter meinen letzten Sätzen einer, der weder in jenen Augenblicken noch lange Zeit danach verstanden wurde: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?"

29. Wegen jener Worte zweifelten viele; andere wurden verwirrt, da sie dachten, dass es Kleinmut, ein Wan­ken, ein Augenblick der Schwäche war. Doch sie haben nicht bedacht, dass dies nicht der letzte Satz war, sondern dass Ich nach ihm noch andere sprach, wel­che volle Stärke und Klarheit offen­barten: "Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist"; und: "Alles ist voll­bracht".

30. Jetzt, da Ich zurückgekehrt bin, um in eure Irrtümer Licht zu bringen und das zu erhellen, was ihr Geheim­nisse genannt habt, sage Ich euch: Als Ich am Kreuze hing, war der Todes­kampf lange, blutig, und der Körper Jesu, unendlich empfindsamer als der aller andern Menschen, erduldete eine lange währende Agonie, und der Tod kam nicht. Jesus hatte seine Mission auf der Welt erfüllt, hatte bereits das letzte Wort gesprochen und die letzte Lehre gegeben. Da fragte jener gemar­terte Körper, jenes zerrissene Fleisch, als es die Trennung vom Geiste fühlte, schmerzerfüllt den Herrn: "Vater, Va­ter, warum hast Du mich verlassen?" - Es war der sanfte und leidende Klage­ruf des verletzten Lammes nach seinem Hirten. Es war der Beweis, dass Christus, das "Wort", wirklich Mensch geworden ist in Jesus, und dass sein Leiden echt war.

31. Könnt ihr diese Worte Christus zuschreiben, der ewig mit dem Vater eins ist? - Nun wisst ihr, dass es ein Wimmern des Körpers Jesu war, der durch die Blindheit der Men­schen geschändet war. Doch als sich die Liebkosung des Herrn auf jenes gemarterte Fleisch niedersenkte, fuhr Jesus fort zu sprechen, und seine Worte waren: "Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist". - "Alles ist voll­bracht". (34, 27 -30)

32. Als Jesus am Kreuze hing, gab es keinen Geist, der sich nicht erschüttert gefühlt hätte bei der Stimme der Liebe und Gerechtigkeit Dessen, welcher starb - nackt wie die Wahrheit selbst, die er in seinem Worte brachte. Die, welche das Leben Jesu erforscht haben, haben erkannt, dass es weder vor noch nach ihm jemanden gegeben hat, der ein Werk wie das Seine vollbrachte, denn es war ein göttliches Werk, das durch Sein Beispiel die Menschheit retten wird.

33. Sanftmütig kam Ich zur Opfe­rung, denn Ich wusste, dass mein Blut euch umwandeln und retten würde. Bis zum letzten Augenblicke sprach Ich mit Liebe und vergab Ich euch, denn Ich kam, um euch eine erhabene Lehre zu bringen und euch mit vollkomme­nen Beispielen den Weg zur Ewigkeit vorzuzeichnen.

34. Die Menschheit wollte Mich von meinem Vorhaben abbringen, indem sie die Schwäche des Fleisches suchte; doch Ich ließ nicht ab davon. Die Men­schen wollten Mich zur Gottesläste­rung verleiten; doch Ich lästerte nicht. Je mehr Mich die Menge beleidigte, desto mehr Mitleid und Liebe hatte Ich ihr gegenüber, und je mehr sie meinen Kör­per verletzten, desto mehr Blut quoll aus ihm, um den für den Glauben Toten Leben zu geben.

35. Jenes Blut ist das Symbol der Liebe, mit der Ich dem menschlichen Geiste den Weg vorgezeichnet habe. Ich hinterließ mein Wort des Glaubens und der Hoffnung den nach Gerechtig­keit Hungernden, und den Schatz mei­ner Offenbarungen den geistig Armen.

36. Erst nach dieser Zeit wurde die Menschheit sich dessen bewusst, Wer in der Welt gewesen war. Daraufhin wurde das Werk Jesu als vollkommen und Göttlich aufgefasst, als über­menschlich erkannt - wie viele Tränen der Reue! Wie viele Gewissensbisse in den Geistwesen (29,37 - 41)

37. Wenn Jesus, welcher "der Weg, die Wahrheit und das Leben" war, seine Mission mit jenem Gebet der sieben Worte beendete und zuletzt zu seinem Vater sprach: "In Deine Hände befehle ich meinen Geist", so bedenkt, ob ihr, die ihr Schüler und Jünger jenes Meisters seid, dieses Leben verlassen könnt, ohne es dem Vater als einen Tribut des Gehorsams und der Demut darzubringen; und ob ihr eure Augen für diese Welt schließen könnt, ohne den Herrn um seinen Schutz zu bitten, da ihr sie erst in anderen Regionen wieder öffnen werdet.

38. Das ganze Leben Jesu war ein Liebesopfer für den Vater. Die Stun­den, die sein Todeskampf am Kreuze währte, waren ein Gebet der Liebe, der Fürsprache und der Vergebung.

39. Dies ist der Weg, den Ich dir wies, Menschheit. Lebt in der Nach­folge eures Meisters, und Ich verspre­che euch, euch zu meinem Schoße zu führen, welcher der Ursprung aller Seligkeit ist. (94, 78 - 80)

40. Ich, Christus, offenbarte durch den Menschen Jesus die Herrlichkeit des Vaters, seine Weisheit und seine Macht. Die Macht wurde angewandt, um Wunder zu vollbringen zum Wohle derer, die in ihrem Geiste Glauben benötigten, in ihrem Verstande Licht und in ihrem Herzen Frieden. Jene Macht, welche die Kraft der Liebe selbst ist, wurde über die Notleidenden ausgegossen, um sich ihnen ganz hin­zugeben, was soweit ging, dass Ich sie für meinen eigenen Körper nicht ge­brauchte, der sie in der Todesstunde gleichfalls benötigte.

41. Ich wollte keinen Gebrauch von meiner Macht machen, um den durch­dringenden Schmerz meines Körpers zu vermeiden. Denn als Ich Mensch wurde, geschah es in der Absicht, um euretwillen zu leiden und euch einen greifbaren göttlichen und menschlichen Beweis meiner unendlichen Liebe und meines Mitleids mit den Unreifen, den Notleidenden, den Sündern zu geben.

42. Alle Macht, die Ich an andern offenbarte - sei es, dass Ich einen Aus­sätzigen heilte, einem Blinden das Augenlicht wiedergab und Beweglich­keit dem Lahmen, oder dass Ich die Sünder bekehrte und Tote auferweckte - alle Vollmacht, die Ich vor den Men­schenmengen offenbarte, um ihnen Beweise für meine Wahrheit zu geben, indem Ich ihnen meine Machtbefugnis über die Naturreiche und meine Macht über Leben und Tod bewies, wollte Ich für Mich nicht anwenden, womit Ich zuließ, dass mein Körper jene Passion durchlebte und jenen Schmerz erlitt.

43. Zwar hätte meine Macht meinem Körper jeden Schmerz ersparen kön­nen, aber welches Verdienst hätte ich dann in euren Augen gehabt? Welches für den Menschen begreifbare Vorbild hätte Ich hinterlassen, wenn Ich von meiner Macht Gebrauch gemacht hätte, um Mir den Schmerz zu ersparen? Es war nötig, Mich in jenen Augenblicken meiner Macht zu entäußern, die Göttli­che Kraft zurückzuweisen, um den Schmerz des Fleisches, die Trauer angesichts der Undankbarkeit, die Ein­samkeit, den Todeskampf und den Tod zu fühlen und zu erleben.

44. Daher baten die Lippen Jesu in der Todesstunde um Hilfe, da sein Schmerz echt war. Aber es war nicht nur der physische Schmerz, der den fiebernden und erschöpften Körper Jesu überwältigte - es war auch das geistige Empfinden eines Gottes, der mittels jenes Körpers geschunden und zum Gespött gemacht wurde von sei­nen blinden, undankbaren und hoch­mütigen Kindern, für die er jenes Blut vergoss.

45. Jesus war stark durch den Geist, der ihn belebte, welches der Göttliche Geist war, und hätte gegenüber dem Schmerz unempfindlich sein können und gegenüber den Angriffen seiner Verfolger unbesiegbar; aber es war notwendig, dass er Tränen vergoss, dass er fühlte, dass er immer wieder vor den Augen der Menge zu Boden stürzte, die Kräfte seines Körpers er­schöpft waren, und dass er sterben sollte, nachdem sein Körper den letzten Tropfen Blut verloren hatte.

46. So wurde meine Mission auf Er­den erfüllt; so endete das Dasein Jenes auf der Welt, den das Volk wenige Tage zuvor zum König ausgerufen hatte, als er in Jerusalem einzog. (320, 56 - 61)


Jesu Erlösungstat in jenseitigen Wel­ten

47. In den ersten Zeiten der Mensch­heit war ihre geistige Entwicklung so gering, dass ihre (mangelnde) innere Erkenntnis über das Leben des Geistes nach dem körperlichen Tode und die (fehlende) Kenntnis ihrer letzten Be­stimmung bewirkte, dass der Geist beim Verlassen der Fleischeshülle in einen tiefen Schlaf fiel, aus dem er nur langsam erwachte. Doch als Christus Mensch wurde in Jesus, um allen Geistwesen seine Lehre zu geben, sandte Er, sobald Er seine Aufgabe unter den Menschen vollendet hatte, sein Licht zu großen Scharen von We­sen, die seit Anbeginn der Welt auf seine Ankunft warteten, um von ihrer Verwirrung befreit zu werden und sich zum Schöpfer erheben zu können.

48. Nur Christus konnte jenes Dunkel erhellen, nur seine Stimme konnte jene Geistwesen, die schliefen, für ihre Entwicklung erwecken. Als Christus als Mensch starb, brachte der Göttliche Geist Licht in die geistigen Welten und selbst in die Gräber, aus denen die Geistwesen hervorkamen, die bei ihren Körpern den Todesschlaf hielten. Diese Wesen zogen in jener Nacht durch die Welt, wobei sie sich den menschlichen Blicken sichtbar machten als ein Zeug­nis dafür, dass der Erlöser für alle We­sen Leben war, und dass der Geist unsterblich ist. (41,5 - 6)

49. Männer und Frauen empfingen Zeichen und Rufe aus dem Jenseits. Die Alten und die Kinder waren gleich­falls Zeugen dieser Erscheinungen, und in den Tagen, die dem Kreuzestode des Erlösers vorangingen, drang das Himmlische Licht in die Herzen der Menschen; die Wesen des Geistigen Tales riefen die Herzen der Menschen; und an dem Tage, an dem der Meister seinen letzten Atemzug als Mensch tat und sein Licht in alle Höhlen und in alle Winkel eindrang, in die materiellen und geistigen Heimstätten, im Verlan­gen nach den Wesen, die Ihn seit lan­gem erwarteten - vermaterialisierte, verwirrte und kranke Wesen, die vom Wege abgeirrt waren, gebunden mit Ketten der Gewissensbisse, Lasten der Ungerechtigkeit mit sich schleppend, und andere Geistwesen, die tot zu sein glaubten und an ihre Körper gebunden waren - da erwachten alle aus ihrem tiefen Schlafe und erhoben sich zum Leben.

50. Aber bevor sie diese Erde verlie­ßen, gaben sie denen, die ihre Angehö­rigen gewesen waren, ein Zeugnis ihrer Auferstehung und ihres Daseins. Durch all dies erlebte die Welt diese Kundge­bungen in jener Nacht der Trauer und des Schmerzes.

51. Die Herzen der Menschen er­bebten, und die Kinder weinten ange­sichts jener, die seit langem tot waren und an diesem Tage nur für einen Au­genblick zurückkehrten, um von jenem Meister Zeugnis abzulegen, der zur Erde herabgekommen war, um seinen Liebessamen auszustreuen, und der zugleich die geistigen Felder bestellte, welche von unendlich vielen Geistwe­sen bewohnt waren, die gleichfalls seine Kinder waren, und die er heilte und von ihrer Unwissenheit befreite. (339, 22)

52. Als Ich meinen Körper verließ, betrat mein Geist die Welt der Geist­wesen, um mit dem Wort der Wahrheit zu ihnen zu sprechen. Wie bei euch sprach ich zu ihnen von der Göttlichen Liebe, denn diese ist die wahre Er­kenntnis des Lebens.

53. Wahrlich, Ich sage euch, der Geist Jesu war nicht einen Augenblick im Grabe; er hatte in anderen Lebens­welten viele Wohltaten zu vollbringen. Mein unendlicher Geist hatte jenen - wie zuvor euch - viele Offenbarungen kundzutun.

54. Es gibt auch Welten, wo die Geistwesen nicht zu lieben verstehen; sie leben in der Finsternis und sehnen sich nach Licht. Heute wissen die Men­schen, dass wo Lieblosigkeit und Egoismus regiert, Dunkelheit herrscht, dass Krieg und Leidenschaften die Schlüssel sind, die das Tor zu dem Weg verschließen, der zum Reiche Gottes führt.

55. Die Liebe dagegen ist der Schlüs­sel, mit dem sich das Reich des Lichtes auftut, welches die Wahrheit ist.

56. Hier (auf Erden) habe Ich Mich durch materielle Mittel kundgetan, im Jenseits habe Ich Mich den hohen Geistwesen direkt mitgeteilt, damit sie jene unterrichten würden, die nicht befähigt sind, meine Inspiration direkt zu empfangen. Jene hohen, leuchten­den Wesenheiten sind - wie hier für euch - die Stimmträger. (213, 6 - 11)


Das Erscheinen Jesu nach seiner Auferstehung

57. Einige Tage nach meiner Kreuzi­gung, als meine Jünger um Maria ver­sammelt waren, ließ Ich sie meine Gegenwart fühlen, die in der geistigen Schau einer Taube versinnbildlicht war. In jener gesegneten Stunde wagte sich niemand zu bewegen noch irgend­ein Wort zu sprechen. Es herrschte eine wahre Verzückung bei der Betrachtung jenes geistigen Bildes, und die Herzen schlugen voll Kraft und Zuversicht, weil sie wussten, dass der Meister, der augenscheinlich von ihnen gegangen war, immerdar im Geiste bei ihnen gegenwärtig sein wird. (8, 15)

58. Weshalb solltet ihr meinen, dass mein Kommen im Geiste keinen Sinn hat? Erinnert euch daran, dass Ich nach meinem Tode als Mensch weiterhin zu meinen Jüngern sprach und Mich ihnen im Geiste zeigte.

59. Was wäre aus ihnen geworden, ohne jene Manifestationen, die Ich ihnen gewährte, die ihren Glauben stärkten und ihnen für ihre Missions­aufgabe neuen Mut einflößten?

60. Traurig war das Bild, das sie nach meinem Scheiden boten: die Tränen flossen unablässig über ihre Gesichter, alle Augenblicke entrang sich ihrer Brust ein Schluchzer, sie beteten viel, und Furcht und Gewissensbisse be­drückten sie. Sie wussten: der eine hatte Mich verkauft, ein anderer hatte Mich verleugnet, und fast alle hatten Mich in der Todesstunde verlassen.

61. Wie konnten sie die Zeugen jenes Meisters aller Vollkommenheit sein? Wie sollten sie Mut und Kraft dazu haben, um den Menschen so unter­schiedlicher Glaubensvorstellungen und Arten zu denken und zu leben entgegenzutreten?

62. Gerade da erschien mein Geist unter ihnen, um ihren Schmerz zu lin­dern, ihren Glauben zu entzünden, ihre Herzen mit dem Ideal meiner Lehre zu entflammen.

63. Ich gab meinem Geist menschli­che Gestalt, um ihn bei den Jüngern sichtbar und fühlbar zu machen, aber meine Gegenwart war dennoch geistig, und seht, welchen Einfluss und welche Bedeutung jenes Erscheinen unter meinen Aposteln hatte. (279, 47 - 52)

64. Mein Opfer war vollbracht; doch im Wissen, dass jene Herzen Mich mehr denn je benötigten, weil sich in ihrem Innern ein Sturm von Zweifeln, Leiden, Verwirrungen und Befürchtun­gen erhoben hatte, nahte Ich Mich ihnen sogleich, um ihnen einen weite­ren Beweis meiner unendlichen Barm­herzigkeit zu geben. In meiner Liebe und meinem Mitgefühl für jene Kinder meines Wortes vermenschlichte Ich Mich, indem Ich die Gestalt oder das Abbild jenes Körpers annahm, den Ich auf der Welt gehabt hatte, und ließ Mich sehen und machte Mich hörbar, und mit meinen Worten entzündete Ich aufs neue den Glauben in jenen nieder­geschlagenen Geistwesen. Es war eine neue Lektion, eine neue Art, Mich denen mitzuteilen, die Mich auf Erden begleitet hatten; und sie fühlten sich gestärkt, inspiriert, verwandelt durch den Glauben und die Erkenntnis meiner Wahrheit.

65. Trotz jener Beweise, deren Zeuge sie alle waren, gab es einen, der die Bekundungen und Beweise hartnäckig leugnete, die Ich meinen Jüngern geis­tig gab, und so war es nötig, ihm zu erlauben, meine geistige Gegenwart sogar mit seinen körperlichen Sinnen zu betasten, damit er glauben könnte.

66. Aber nicht nur unter den Jüngern, die Mir näher standen, erhob sich jener Zweifel - nein, auch unter den Anhän­gerscharen, in den Ortschaften, in Städten und Dörfern, unter denen, die Beweise meiner Macht erhalten hatten und Mir um dieser Werke willen nach­folgten, entstand Verwirrung, ein ängstliches Fragen, Betroffenheit; man konnte sich nicht erklären, weshalb alles auf diese Weise geendet hatte.

67. Ich hatte Mitgefühl mit allen, und daher gab Ich ihnen ebenso wie meinen nächsten Jüngern Beweise dafür, dass Ich mich nicht von ihnen entfernt hatte, auch wenn Ich ihnen nicht mehr als Mensch auf Erden beistand. In jedem Heim, jeder Familie und in jedem Volk bekundete Ich Mich den Herzen, die an Mich glaubten, indem Ich ihnen meine geistige Gegenwart auf vielerlei Weise fühlbar machte. Da begann der Kampf jenes Volkes von Christen, die ihren Meister auf Erden verlieren mussten, um sich zu erheben und die Wahrheit zu verkünden, die er ihnen offenbart hatte. Ihr alle kennt ihre großen Werke. (333,38-41)

68. Als Ich Mich in der "Zweiten Zeit" meinen Jüngern zum letzten Male sichtbar machte zwischen Wolken, war Traurigkeit in ihnen, als Ich ihrem Blick entschwand, weil sie sich in die­sem Augenblick alleingelassen fühlten; aber danach hörten sie die Stimme des Engelsboten des Herrn, der zu ihnen sprach: "Ihr Männer aus Galiläa, wo­nach haltet ihr Ausschau? Diesen Je­sus, den ihr heute in den Himmel habt auffahren sehen, werdet ihr in der glei­chen Weise herabkommen sehen."

69. Da verstanden sie, dass der Meister, wenn er zu den Menschen zurückkehren würde, dies geistig tun würde. (8, l3 - 14)




Kapitel 13 - Mission und Bedeutung Jesu und seiner Apostel

Die Korrektur des alten Gottesbildes und falscher Traditionen

 1. Jesus, der Christus, ist das klarste Lehrbeispiel gewesen, das Ich euch auf der Welt gab, um euch zu zeigen, wie groß die Liebe und die Weisheit des Vaters ist. Jesus war die lebende Bot­schaft, die der Schöpfer auf die Erde sandte, damit ihr die hohen Eigen­schaften Dessen erkennen solltet, der euch erschuf. Die Menschen sahen in Jehova einen zürnenden und unver­söhnlichen Gott, einen schrecklichen und rachsüchtigen Richter; doch durch Jesus befreite Er euch aus eurem Irr­tum.

2. Seht im Meister die Mensch ge­wordene Göttliche Liebe. Er richtete alle eure Werke durch sein Leben der Demut, des Opfers und der Barmher­zigkeit. Doch statt euch mit dem Tode zu bestrafen, bot er euch sein Blut an, um euch das wahre Leben zu zeigen, das der Liebe. Jene Göttliche Botschaft erleuchtete das Leben der Menschheit, und das Wort, das der Göttliche Meis­ter den Menschen übergab, wurde zum Ursprung von Kirchen und Sekten, mittels derer sie Mich gesucht haben und noch immer suchen. Doch wahr­lich, Ich sage euch, sie haben den In­halt jener Botschaft noch nicht verstan­den.

3. Die Menschheit glaubt zwar, dass die Liebe Gottes zu seinen Kindern unbegrenzt ist, da Er in Jesus aus Liebe zu den Menschen starb. Sie ist sogar innerlich bewegt von den Leiden Jesu vor seinen Richtern und Henkern, er­kennt nach und nach auch in dem Sohn den Vater, aber die Bedeutung, die Tragweite all dessen, was der Herr den Menschen durch jene Offenbarung sagen wollte, die in einer Jungfrau begann und in der "Wolke" von Betha­nien endete, ist bis heute nicht richtig gedeutet worden.

4. Ich musste auf derselben "Wolke" wiederkommen, in der sich das "Wort" zum Vater erhob, um euch die Erklä­rung dafür zu geben und die Bedeutung all dessen aufzuzeigen, was euch mit der Geburt, dem Leben, den Werken und dem Tode Jesu offenbart wurde.

5. Der Geist der Wahrheit, der da­mals von Christus Verheißene, ist diese (in Mexiko, 1866-1950) Göttliche Kundgebung, welche kam, um die Finsternisse zu erhellen und die Ge­heimnisse zu erklären, die der Verstand oder das Herz der Menschen nicht zu durchdringen vermochte.
( 81, 46 - 49)

6. Ich predigte meine Wahrheit in der "Zweiten Zeit" als Mensch durch mein Vorbild. Ich hob die unnütze Opferung unschuldiger und unbewusster Wesen auf, indem Ich Mich um einer voll­kommenen Liebeslehre willen opferte. "Lamm Gottes" habt ihr Mich genannt, weil Mich jenes Volk an seinen traditi­onellen Feiertagen geopfert hatte.

7. Tatsächlich wurde mein Blut ver­gossen, um den Menschen den Weg zur (Teil muss nach links) Erlösung zu zeigen. Meine Göttliche Liebe wurde vom Kreuz herab auf die Menschheit jener und aller Zeiten ausgegossen, damit die Menschheit sich an jenem Beispiel, an jenen Worten, an jenem vollkommenen Leben inspirieren würde und die Rettung, die Reinigung von Sünden und die Erhebung des Geistes fände. (276, 15)


Das Vorbild Jesu

8. Es war notwendig, dass Jesus euch die Prinzipien aufzeigte, nach denen ihr euch richten solltet, und von denen ihr euch entfernt hattet.

9. Ich bezeugte euch meine ganze Sanftmut, meine Liebe, meine Weisheit und Barmherzigkeit, und trank bei euch den Leidenskelch, damit euer Herz bewegt und euer Verstand erwachen würde. Die Herzen mussten zum Guten geboren werden, und der Schmerz, Mich aus Liebe zu ihnen gekreuzigt zu sehen, war wie ein Stachel, der sie daran erinnern sollte, dass ihr alle um der Liebe willen leiden müsst, um zum Vater zu gelangen. Meine Verheißung für jeden, der sein Kreuz auf sich neh­men und Mir nachfolgen möchte, war der ewige Friede, die höchste Seligkeit, die kein Ende hat im Geiste. (240, 23 - 24)

10. Christus ist und soll euer Vorbild sein; dafür bin Ich damals Mensch geworden. Was war die Offenbarung, die Jesus der Menschheit brachte? Seine unendliche Liebe, Seine Göttli­che Weisheit, Seine Barmherzigkeit ohne Grenzen und Seine Macht.

11. Ich sagte euch: nehmt Mich zum Vorbild, und ihr werdet die gleichen Werke tun, die Ich tue. Da Ich als Meister kam, solltet ihr begreifen, dass das nicht geschah, um euch unerfüll­bare Lehren zu geben, oder solche, die jenseits des Auffassungsbereichs des Menschen liegen.

12. Begreift also, dass wenn ihr Werke tut, die jenen gleichen, die Jesus euch lehrte, ihr die Fülle des Lebens, von der Ich zuvor zu euch sprach, er­reicht haben werdet. (156, 25 - 27)


Die Bedeutung der Lehre Jesu

13. Die Lehre Jesu - gegeben als Richtschnur, als offenes Buch, damit die Menschheit sie studiere - ist mit nichts anderem in irgendeinem anderen Volk der Erde, in irgendeiner Genera­tion, in irgendeiner Rasse zu verglei­chen. Denn jene, die sich aufgemacht haben, um Gebote der Gerechtigkeit oder Lehren der Nächstenliebe zu überbringen, sind von Mir zur Erde gesandt worden als Wegbereiter, als Boten, doch nicht als Gottheit. Christus allein kam zu euch als Gottheit. Er brachte euch die klarste und größte Unterweisung, die das Herz des Men­schen empfangen hat. (219, 33)


Berufung, Lehrzeit und Prüfungen der Jünger Jesu

14. Ihr habt in dieser Zeit der Jahre meiner Predigttätigkeit gedacht - jener drei Jahre, in denen Ich meine Jünger vorbereitete, in denen Ich mit ihnen zusammenlebte. Sie sahen alle meine Werke, und bei ihrer Vorbereitung vermochten sie in mein Herz zu drin­gen und die Reinheit, die ganze Ma­jestät und die Weisheit zu schauen, die im Meister war.

15. Meine Taten damals geschahen nicht um des Aufsehens willen, mein Wandel auf Erden war bescheiden; wer jedoch vorbereitet war, ahnte die Größe meiner Gegenwart und der Zeit, in der er lebte.

16. Also erwählte Ich meine Jünger, von denen Ich einige am Ufer des Flus­ses antraf und die Ich berief, indem Ich sagte: "Folget Mir nach". Als diese ihren Blick auf Mich richteten, ver­standen sie, wer Jener war, der zu ih­nen sprach, und so erwählte Ich einen nach dem anderen. (342, 21)

17. Solange Ich auf der Welt pre­digte, habe Ich niemals gesagt, dass meine Jünger bereits Meister seien oder dass man auf sie hören solle. Sie waren noch Schüler, die - vom Lichte meines Wortes in Bann geschlagen - Mir willig nachfolgten, die aber noch Fehler be­gingen; denn es brauchte seine Zeit, bis sie sich wandelten und hernach als Vorbild für die Menschen wirkten. Sie waren Felsbrocken, die noch vom Mei­ßel der Göttlichen Liebe geglättet wur­den, damit auch sie später Steine in Diamanten verwandeln würden. (356, 39)

18. Zu allen Zeiten habe Ich meine Jünger geprüft. Wie viele Male habe Ich Petrus der Prüfung unterworfen, und nur in einer derselben wankte er. Doch urteilt ob dieser Tat nicht schlecht über ihn, denn als sein Glaube entflammte, war er unter den Men­schen wie eine Fackel, wenn er pre­digte und von der Wahrheit Zeugnis ablegte.

19. Verurteilt Thomas nicht; bedenkt, wie oft ihr meine Werke mit Händen greifen konntet und selbst dann noch gezweifelt habt. Blickt nicht mit Ver­achtung auf Judas Ischariot, jenen ge­liebten Jünger, der seinen Meister für dreißig Silberlinge verkaufte; denn niemals hat es eine größere Reue gege­ben als die seine.

20. Ich bediente Mich jedes einzel­nen von ihnen, um euch Lehren zu hinterlassen, die euch als Beispiel die­nen und ewig im Gedächtnis der Menschheit haften würden. Nach ihrem Kleinmut bereuten sie, änderten sich und widmeten sich uneingeschränkt der Erfüllung ihrer Mission. Sie waren wirkliche Apostel und ließen für alle Generationen ein Vorbild zurück. (9, 22 - 23)


Der Apostel Johannes

21. Erinnert euch: als mein Körper vom Kreuze genommen und danach begraben wurde, glaubten die Jünger, die bestürzt waren und nicht begreifen konnten, was geschehen war, dass mit dem Tode des Meisters alles aus sei. Es war notwendig, dass ihre Augen Mich nochmals sahen und ihre Ohren Mich erneut hörten, damit ihr Glaube ent­brennen und ihre Erkenntnis an mei­nem Worte erstarken würde.

22. Nun kann Ich euch sagen, dass es unter jenen Jüngern einen gab, der niemals an Mir zweifelte, der ange­sichts der Prüfungen niemals wankte, und der Mich nicht einen Augenblick verließ. Es war Johannes, der treue, mutige, feurige und liebevollste Jünger.

23. Um dieser Liebe willen vertraute Ich ihm Maria an, als sie zu Füßen des Kreuzes standen, damit er auch ferner­hin in jenem Herzen ohne Makel die Liebe finden würde, und er an ihrer Seite noch mehr für den Kampf ge­stärkt würde, der ihn erwartete.

24. Während seine Brüder, die ande­ren Jünger, einer nach dem anderen unter dem Todesstreich des Henkers fielen und so mit ihrem Blut und ihrem Leben die ganze Wahrheit, die sie ge­predigt hatten und den Namen ihres Meisters besiegelten, besiegte Johannes den Tod und entkam dem Martyrium.

25. Da er in die Einöde verbannt war, dachten seine Verfolger nicht daran, dass dort, auf jener Insel, wohin sie ihn verjagt hatten, zu jenem Menschen die große Offenbarung der Zeitepochen aus den Himmeln hernieder kommen würde, die ihr durchlebt - die Prophe­tie, die zu den Menschen über alles spricht, was geschehen und in Erfül­lung gehen wird.

26. Nachdem Johannes seinen Brü­dern viel Liebe geschenkt und sein Leben der Aufgabe gewidmet hatte, ihnen im Namen seines Meisters zu dienen, musste er getrennt von ihnen leben, allein; aber immerzu betete er für die Menschheit, immer dachte er an jene, für die Jesus sein Blut vergossen hatte.

27. Das Gebet, die Stille, die In-Sich-Gekehrtheit, die Lauterkeit seiner Existenz und die Güte seiner Gedanken vollbrachten das Wunder, dass jener Mensch, jener Geist sich in kurzer Zeit entwickelte, wofür andere Geistwesen Jahrtausende benötigen, um es errei­chen zu können. (309,41 - 44)

28. Wenn Ich die Bewohner dieser Welt betrachte, sehe Ich, dass alle Völ­ker meinen Namen kennen, dass Milli­onen von Menschen meine Worte nachsprechen; doch wahrlich, Ich sage euch, dennoch sehe Ich keine Liebe der Menschen untereinander!

29. Alles, was Ich euch in dieser Zeit lehre und was auf der Welt geschieht, ist die Erklärung und die Erfüllung der Offenbarung, die Ich der Menschheit durch meinen Apostel Johannes gab, als Ich ihn zu der Zeit, da er auf der Insel Patmos lebte, im Geiste in die Himmelshöhen, zur Göttlichen Ebene, zur Unermesslichkeit trug, um ihm durch Sinnbilder den Ursprung und das Ziel, das Alpha und das Omega zu zeigen; und er sah die Ereignisse, die geschehen waren- jene, die sich gerade vollzogen, und jene, die noch kommen würden.

30. Er verstand zu diesem Zeitpunkt nichts davon, aber meine Stimme sagte ihm: "Schreibe auf, was du sehen und hören wirst", und so schrieb er.

31. Johannes hatte Jünger, die das Meer mit Schiffen überquerten, um ihn an seinem Zufluchtsort aufzusuchen. Begierig fragten jene Männer den, der ein Jünger Jesu gewesen war, wie der Meister gewesen sei, und wie sein Wort und seine Wundertaten; und Jo­hannes, der seinem Meister in Liebe und Weisheit nacheiferte, setzte sie mit seinem Worte in Erstaunen. Auch als das Alter herannahte, als sein Körper bereits von der Zeit gebeugt war, hatte er noch genug Kräfte, um von seinem Meister zu zeugen und seinen Jüngern zu sagen: "Liebet einander".

32. Als jene, die ihn aufsuchten, sa­hen, dass der Tag von Johannes’ Hin­scheiden näher kam, baten sie ihn im Verlangen danach, alle Weisheit zu besitzen, die jener Apostel angesam­melt hatte, ihnen alles zu offenbaren, was er von seinem Meister gelernt hatte; doch statt jeder Antwort vernah­men sie immer nur jenen Satz: "Liebet einander".

33. Jene, die mit soviel Eifer und In­teresse fragten, fühlten sich betrogen und dachten, dass das Alter die Worte Christi aus seinem Gedächtnis gelöscht habe.

34. Ich sage euch, dass Johannes kein einziges meiner Worte vergessen hatte, sondern dass er aus all meinen Lehren als eine einzige Quintessenz jene Lehre aussprach, die das ganze Gesetz zu­sammenfasst: die Liebe untereinander.

35. Wie hätte jenem so geliebten Jünger die Lehre des Meisters, den er so sehr liebte, aus der Erinnerung schwinden können? (167, 32 - 37)

36. In der "Zweiten Zeit", nach mei­nem Scheiden, stärkte eure Himmlische Mutter weiterhin meine Jünger und stand ihnen bei. Nach dem Schmerz und der Prüfung fanden sie Schutz im liebevollen Herzen Marias, ihr Wort nährte sie Tag für Tag. Ermutigt durch Maria, die sie weiterhin in Vertretung des Göttlichen Meisters belehrte, setz­ten sie ihren Weg fort. Als sie hin­schied, begann ihr Kampf, und ein jeder folgte dem Weg, der ihm gewie­sen wurde. (183, 15)


Die Apostel Petrus und Paulus

37. Vergesst nicht die Sache mit Pet­rus, meinem Jünger, als er bis auf den Tod von Saulus verfolgt wurde. Ich bewies dem treuen Apostel, dass er nicht allein in seiner Prüfung war, und wenn er meiner Macht vertraute, Ich ihn vor seinen Verfolgern schützen würde.

38. Saulus wurde von meinem Gött­lichen Licht überrascht, als er auf der Suche nach Petrus war, um ihn zu ver­haften. Mein Licht gelangte bis auf den Herzensgrund des Saulus, welcher - angesichts meiner Gegenwart zu Boden geworfen, besiegt von meiner Liebe, unfähig, die Aufgabe zu Ende zu füh­ren, die er gegen meinen Jünger vor­hatte, in seinem tiefsten Innern die Umwandlung seines ganzen Wesens fühlte; und nun zum Glauben an Christus bekehrt - sich beeilte, nach Petrus zu suchen; aber nicht mehr, um ihn zu töten, sondern um ihn zu bitten, dass er ihn im Worte des Herrn unter­weise und ihn an seinem Werke teilha­ben lasse.

39. Von da an war Saulus Paulus, wobei jener Namenswechsel die voll­ständige geistige Umwandlung jenes Menschen anzeigte, seine völlige Be­kehrung. (308, 46 - 47)

40. Paulus zählte nicht zu den zwölf Aposteln, er aß nicht an meinem Tisch, noch folgte er Mir auf den Wegen nach, um meine Unterweisungen zu hören. Vielmehr glaubte er nicht an Mich, noch blickte er mit freundlichen Augen auf die, die Mir nachfolgten. In seinem Herzen existierte die Idee, den Samen, den Ich meinen Jüngern anver­traut hatte, welcher sich gerade auszu­breiten be­gann, zu vernichten. Aber Paulus wusste nicht, dass er einer der Meinen war. Er wusste, dass der Mes­sias kommen musste, und er glaubte daran. Doch konnte er sich nicht vor­stellen, dass der demütige Jesus der verheißene Heiland sein sollte. Sein Herz war voll des Hochmuts der Welt und deshalb hatte er die Gegenwart seines Herrn nicht empfunden.

41. Saulus hatte sich gegen seinen Erlöser erhoben. Er verfolgte meine Jünger sowie die Leute, die sich an sie wandten, um meine Botschaft von den Lippen jener Apostel zu vernehmen. Und so überraschte Ich ihn, als er dabei war, die Meinen zu verfolgen. Ich be­rührte ihn an der empfindsamsten Stelle seines Herzens und sogleich erkannte er Mich, weil sein Geist Mich erwartete. Deshalb hörte er meine Stimme.

42. Es war mein Wille, dass jener weithin bekannte Mann sich auf diese Weise bekehren sollte, damit die Welt auf allen seinen Wegen jene überra­schenden Werke miterleben konnte, die ihr als Ansporn zum Glauben und zum Verstehen dienen sollten.

43. Wozu noch im einzelnen das Le­ben dieses Mannes durchgehen, der von da an sein Leben der Liebe zu seinen Nächsten widmete, inspiriert von der Liebe zu seinem Meister und seinen göttlichen Unterweisungen?

44. Paulus war einer der größten Apostel meines Wortes, sein Zeugnis war immer von Liebe, Aufrichtigkeit, Wahr­haftigkeit und Licht durchdrun­gen. Sein früherer Materialismus wurde zu einer sehr hohen Geistigkeit, seine Härte zu unendlicher Zärtlichkeit; und so wurde der Verfolger meiner Apostel zum eifrigsten Sämann meines Wortes, zum unermüdlichen Wanderprediger, welcher die Göttliche Botschaft seines Herrn, für den er lebte und dem er sein Leben weihte, in verschiedene Natio­nen, Provinzen und Dörfer brachte.

45. Hier hast du, geliebtes Volk, ein schönes Beispiel von Bekehrung und einen Beweis dafür, dass Menschen, auch wenn sie Mich noch nicht gehört haben, große Apostel von Mir werden können. (157, 42 - 47)


Die Vorbildlichkeit der Apostel

46. Wer außer Mir ermutigte die Jün­ger in jener "Zweiten Zeit", als sie dann ohne ihren Meister durch die Welt zogen? Erscheint euch nicht das Werk eines jeden von ihnen bewunderns­wert? Aber Ich sage euch, dass auch sie Schwächen hatten wie jeder andere Mensch. Später wurden sie von Liebe und Glauben erfüllt, es machte sie nicht mutlos, auf der Welt wie Schafe unter Wölfen zu sein und ihren Weg immer unter Verfolgung und Spott der Leute zu gehen.

47. Sie hatten die Macht, Wunder zu vollbringen, sie verstanden von jener Gnade Gebrauch zu machen, um Her­zen zur Wahrheit zu bekehren.

48. Wohl all jenen, die das Wort Jesu aus dem Munde meiner Apostel ver­nahmen, denn bei ihnen erlitt meine Lehre keine Veränderung, sondern wurde in all ihrer Lauterkeit und Wahrheit gegeben. Daher fühlten die Menschen, wenn sie ihnen zuhörten, in ihrem Geist die Gegenwart des Herrn und spürten in ihrem Wesen ein unbe­kanntes Gefühl von Macht, von Weis­heit und Majestät.

49. In jenen armen und demütigen Fischern aus Galiläa habt ihr ein wür­diges Vorbild: durch die Liebe ver­wandelt in geistige Fischer, erschütter­ten sie Völker und Reiche durch das Wort, das sie von Jesus gelernt hatten, und bereiteten durch ihre Beharrlich­keit und ihre Aufopferung die Bekeh­rung der Völker und das Zustande­kommen des geistigen Friedens vor. Von den Königen bis zu den Bettlern - sie alle erfuhren meinen Frieden in jenen Tagen wahren Christentums.

50. Jene Ära der Spiritualität unter den Menschen war nicht von Dauer; doch Ich, der alles weiß, hatte euch meine Rückkehr angekündigt und ver­heißen, weil Ich wusste, dass ihr Mich wiederum brauchen würdet. (279, 56 - 60)


Die Ausbreitung des Christentums

51. Meine Lehre, auf den Lippen und in den Werken meiner Jünger, war ein Schwert der Liebe und des Lichtes, das gegen die Unwissenheit, das Götzen­tum und den Materialismus kämpfte. Ein Schrei der Empörung stieg bei denen auf, die den nahen Untergang ihrer Mythen und Traditionen sahen, während gleichzeitig aus andern Her­zen ein Hymnus des Jubels drang ange­sichts des lichtvollen Weges, der sich für die Hoffnung und den Glauben der nach Wahrheit Dürstenden und von Sünde Belasteten auftat.

52. Jene, die das Geistige Leben leugneten, gerieten in Wut, als sie die Offenbarungen über das Himmelreich vernahmen, während die, die jenes Dasein erahnten und davon Gerechtig­keit und Heil erhofften, dem Vater dankten, dass Er der Welt seinen Ein­geborenen Sohn gesandt hatte.

53. Die Menschen, die in ihren Her­zen die gesegnete Sehnsucht bewahrt hatten, ihrem Gott mit Lauterkeit zu dienen und Ihn zu lieben, sahen ihren Weg licht werden und ihren Verstand sich klären, als sie sich in mein Wort vertieften, und sie fühlten eine Bele­bung in ihrem Geiste und in ihrem Herzen. Die Unterweisung Christi als wahres geistiges Brot füllte die uner­messliche Leere aus, die in ihnen war, und erfüllte mit ihrer Vollkommenheit und ihrem Sinngehalt alle Sehnsüchte ihres Geistes überreichlich.

54. Ein neues Zeitalter hob an, ein lichtvollerer Weg tat sich auf, der in die Ewigkeit führte.

55. Welch schöne Gefühle geistiger Erhebung, von Liebe und von Zärtlich­keit erwachten da in jenen, die vom Glauben erleuchtet wurden, um mein Wort zu empfangen! Welcher Mut und welche Standhaftigkeit begleitete jene Herzen, die alles zu erleiden und zu überwinden verstanden, ohne einen Augenblick zu verzagen!

56. Etwa weil das Blut des Meisters noch frisch war? Nein, Volk: die geis­tige Essenz jenes Blutes, welches die materielle Verkörperung der Göttlichen Liebe war, wird nicht trocken, noch er­lischt sie jemals; sie ist heute wie da­mals gegenwärtig, lebendig und le­benswarm.

57. Der Grund dafür ist, dass in jenen Herzen gleichfalls Liebe zur Wahrheit vorhanden war, der sie ihr Leben weihten und für die sie sogar ihr Blut hingaben, um damit zu beweisen, dass sie die Lektion ihres Meisters gelernt hatten.

58. Jenes hochherzig dahingegebene Blut überwand die Hindernisse und die Heimsuchungen.

59. Welch ein Gegensatz zeigte sich zwischen der Geistigkeit der Jünger meines Wortes und der Abgötterei, dem Materialismus, dem Egoismus und der Unwissenheit der Fanatiker in alten Traditionen oder der Heiden, die nur lebten, um dem Vergnügen des Kör­pers zu huldigen! (316, 34 - 42)

60. Besät den Lebensweg mit guten beispielhaften Werken, verfälscht nicht Meine Unterweisungen. Nehmt euch darin meine Apostel der "Zweiten Zeit" zum Vorbild, die niemals auf sinnfäl­lige Kulte verfielen, um meine Lehre zu lehren und zu erläutern. Nicht ihnen kann man die Schuld an der Abgötterei zuschreiben, in die die Menschheit danach geriet. Ihre Hände errichteten niemals Altäre, noch bauten sie Paläste für die geistige Gottesverehrung. Aber sie brachten der Menschheit die Un­terweisung Christi, brachten Gesund­heit den Kranken, Hoffnung und Trost den Armen und Betrübten, und wie ihr Meister zeigten sie den Verirrten den Weg zum Heil.

61. Die christliche Religion, die ihr heutzutage kennt, ist nicht einmal ein Abglanz der Lehre, die meine Apostel ausübten und lehrten!

62. Ich sage euch noch einmal, dass ihr in jenen Jüngern vollkommene Vorbilder von Demut, Liebe, Barmher­zigkeit und Erhebung finden könnt. Sie besiegelten die Wahrheit, die ihr Mund aussprach, mit ihrem Blut.

63. Von euch wird die Menschheit nicht mehr Blut fordern, um eurem Zeug­­nis Glauben zu schenken; aber sie wird Wahrhaftigkeit von euch verlan­gen. (256,30-33)